07.07.2017

Ästhetik über alles: Fahrrad-Design für Millennials von Pelago

Luxury Insights, Petra-Anna HerhofferPetra-Anna Herhoffer ist die Luxusdiplomatin und -Expertin. Als Gründerin der Fachkonferenz schreibt sie hier über die Themen, News und Teilnehmer des Luxury Business Day.

Die Fahrräder von Pelago heißen Brooklyn, Bristol oder San Sebastian. Die Namen deuten an, wo sie zum Einsatz kommen sollen: auf den Straßen der Großstädte dieser Welt. Die Stadt, in der Timo und Miko Hyppönen Pelago gründeten, heißt Helsinki. Dort gibt es Kopfsteinpflaster und Bordsteine, im Winter ist es kalt und rutschig und selbst im Sommer oft feucht. Trotzdem wollten die beiden Brüder mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren.

Stadt-Fahrräder im Hipster-Design

Mikko Hippönen mit seinem Pelago-Fahrrad. Das obere Bild zeigt seinen Bruder Timo Hippönen
Mikko Hippönen mit seinem Pelago-Fahrrad. Das obere Bild zeigt seinen Bruder Timo Hippönen

Allen Klischees ihrer Generation (Millennials) und Zunft (Designer) entsprechend, fanden sie einfach kein Modell, das ihren ästhetischen Ansprüchen genügte. So machten sie sich selbst ans Werk, bauten zuerst Bikes aus Vintage-Rahmen und entwarfen schließlich die ersten Pelago-Modelle. Das Firmenwappen trägt den Slogan „Serve the Purpose“ und die ersten City-Bikes tun genau das. Sie erfüllen ihren Zweck für urbane Fahrrad-Pendler und – um es mal beim Namen zu nennen – Hipster.

Fahrrad-Design aus Finnland, erfolgreich in Deutschland

Ihren großen Durchbruch erlebten die Brüder in zwei deutschen Städten. Nachdem Pelago 2012 in München den ISPO Brandnew Urban Award gewann, machten die Hipster-Fahrräder mit einem Pop-up Store in der Hipster-Haupstadt Berlin halt. Inzwischen verkaufen die Finnen 5.000 Fahrräder im Jahr in die ganze Welt. Fast ein Viertel der Fachhändler findet sich in Deutschland. Das Fahrrad-Design der fahrradfahrenden Designer ist also auch hierzulande gefragt. Wir wollten von den Gründern wissen, wie sie mit Pelago so zielsicher den Geschmack der designaffinen und fahrradverliebten Millennials getroffen haben.

Fahrrad-Designer Timo Hyppönen über den Erfolg von Pelago

Fahrrad-Design für Millennials: Brooklyn von Pelago Bikes
Fahrrad-Design für Millennials: Brooklyn von Pelago Bikes

Timo Hyppönen besteht darauf, dass sie sowohl beim Design als auch beim Branding und der Vermarktung von Pelago nur von ihren eigenen Bedürfnissen ausgegangen sind:
„Meine Arbeit muss positive Auswirkungen haben oder Teil einer positiven Mission sein, die irgendwie Arbeit, Design und Kommunikation verbindet. Ich war begeistert von Street Culture, bin mit Skateboards aufgewachsen und all das hat mich inspiriert. Beruflich wollte ich etwas Sinnvolles aus dieser Inspiration machen. So bin ich ich geworden und so ist die Firma unsere Firma geworden. Wir haben einfach festgestellt, dass keine andere Firma das gemacht hat, was wir uns vorgestellt haben, also dachten wir, es lohnt sich, bei null anzufangen.

Die Marke steht für uns immer an zweiter Stelle. Wir denken zuerst an das Produkt, den Service und die Menschen. Die Marke ist eigentlich ein Nebeneffekt von dem, was wir wirklich machen. Ich denke, viele Leute reden von Marken und meinen eigentlich Produkte. Bei uns war auch nie eine Agentur oder Beratung involviert – wir machen alles inhouse. Am Anfang hatten wir nicht einmal einen Businessplan, aber den haben wir dann gebraucht, um Funding zu bekommen.“

Fahrrad-Design vom Fahrrad-Designer und Fahrrad-Liebhaber

So wie Hyppönen es erzählt, war die Gründung einer Fahrrad-Firma fast eine logische Folge seiner Begeisterung fürs Fahrradfahren: „Am spannendsten ist die Erfahrung. Das Fahrrad ist ein Gebrauchsgegenstand, aber auch ein Werkzeug zur Erforschung der Stadt, mit dem du dein eigenes Zuhause aus einer anderen Perspektive betrachten kannst. Wenn du in einer fremden Stadt unterwegs bist, kannst du jederzeit anhalten und Fotos machen. Und natürlich ist ein Fahrrad in der Stadt einfach ein viel praktischeres Transportmittel als ein Auto.“

Ästhetik über alles als Design-Maxime für Millennials?

Retro-Fahrrad-Design beim Modell Brooklyn von Pelago Bikes
Retro-Fahrrad-Design beim Modell Brooklyn von Pelago Bikes

Praktische Fahrräder gab es schon, deswegen setzen die Brüder beim Design an:
„Ich denke, viele Dinge an unserem Produkt sind genauso funktional und praktisch wie bei anderen Herstellern. Bei anderen Herstellern sind sie nur ein wenig schwerfälliger, einfach und normal. Das ist natürlich völlig in Ordnung und man kann sich damit wunderbar in der Stadt bewegen. Wir wollten aber diese Bewegung so optimieren, dass sie auch besser aussieht. Wir wollten nicht nur auf die Komponenten achten, sondern auch auf die Ästhetik.“

Das klingt zwar nach Selbstverwirklichung in der Design-Nische, aber Hyppönen kennt seine Generation. Pelago-Fahrräder bieten genau das, was Millennials suchen, und er setzt darauf, dass sich diese Vorlieben nicht so schnell ändern:
„Mein Bruder und ich hatten eine Vision, wo Pelago in 20 oder in 50 Jahren stehen soll. Wir haben uns der Vision verschrieben, etwas Beständiges, Langanhaltendes zu schaffen. Wenn man etwas Gutes schaffen will, dann muss man sich langfristig verpflichten. Wir unterscheiden nicht zwischen Zielgruppen oder Marktsegmenten, aber ich würde sagen, der Großteil unserer Kunden ist um die 30. Die schätzen gutes Design und wollen ein hochwertiges Produkt. Sie kaufen nicht zum ersten Mal ein Fahrrad und investieren Zeit in die Recherche, um herauszufinden, was sie wollen und brauchen. Sie kaufen eher bewusst.“

„Mit dem Wachstum kommt auch automatisch eine strategischere Herangehensweise. Wir konkurrieren schließlich mit anderen Produkten und Marken. Ganz grundsätzlich wollen wir unser Produkt immer besser und leichter machen, aber gleichzeitig müssen wir auch daran arbeiten, uns von den anderen abzuheben. Also machen wir nicht nur Dinge, die andere auch machen, sondern konzentrieren uns lieber auf die Essenz dessen, was wir besonders gut machen.“

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