Santorini NOŪS – ein absolut ungewöhnliches Resort

Dakis Joannou, Athener Kunstmäzen, Industrieller und Erfinder der Yes! Hotels hat auf der beliebten griechischen Urlaubsinsel Santorini mit dem NOŪS ein 5-Sterne-Hotel erschaffen, das ganz gewollt aus dem erwarteten Rahmen fällt.

Magisches Santorini und die Kraft der Natur

Mythen, eine alte Kultur, schneeweiße Häuschen vor blauem Himmel – das lässt sich natürlich vielerorts auf den Kykladen finden. Das wahrhaft außergewöhnliche Erlebnis auf Santorini ist die Begegnung mit den Naturgewalten. Die weißen Häuser und ehemaligen Höhlenwohnungen schmiegen sich wie Nester an den Kraterrand des gerade mal 76 Quadratkilometer großen Eilands, auf dem heute nur 10.000 Menschen leben. In der Urlaubssaison, ab dem griechischen Osterfest, füllt sich die Insel und im Sommer, wenn die Kreuzschiffe kommen, platzt sie förmlich aus allen Nähten.

Auf Santorini feiert man das Leben und den Sonnenuntergang als ein täglich wiederkehrendes Schauspiel. Am schönsten erlebt man zur blauen Stunde die Ortschaft Iá. Sie liegt auf einer magischen Achse, was den Sonnenuntergang um entscheidende Sekunden zu verzögern scheint. Kurz davor drängt alles zur Inselspitze an der alten Windmühle auf einen Sundowner. Wenn der orangerote Feuerball scheinbar in der tiefblauen Ägäis versinkt, applaudieren alle wie verzaubert. Dabei war die Insel einst Schauplatz einer Katastrophe. Zwischen den orientalischen Auslagen der Gold- und Silberschmiede, zwischen hausgemachtem Apfelkuchen, Ledergürteln und „Enya“-Klängen, zwischen blauen Kirchenkuppeln und weiß gedeckten Tavernentischen, erahnt man noch die Reste erstarrter Lava und Tuffasche.

Vom Rand der Caldera ins Inselinnere

Die Katastrophe, Platon zufolge, die größte griechische Tragödie, ereignete sich um 1450 vor Christus. Bis dahin war die Insel um ein Vielfaches größer als heute und gekrönt von einem 1800 Meter hohen Vulkan. Am Ende der Eruption waren der Berg und die Hälfte der Insel verschwunden. In der Inselmitte klaffte eine riesige Wunde, ein Krater mit bis zu 360 Meter hohen Steilwänden, der sich mit Wasser füllte. Als habe sich das Naturereignis erst gestern ereignet, ragen die Wände der geborstenen Insel schwarz empor. In die fruchtbare Vulkanasche ducken sich heute Weinreben. Und in der Mitte rauchen die Inseln Paléa Kaméni und Néa Kaméni, die alte und die neue Verbrannte, pechschwarze Nachgeburten des Vulkans. Auf letzterer entweichen immer noch Gase und heiße Quellen erwärmen das Wasser stellenweise auf bis zu 80 Grad. Santorinis Strände sind weiß, schwarz oder rot – je nachdem, was der Vulkan an Gestein aus seinem Innersten hervorgestoßen hat.

Für die meisten Übernachtungsgäste, aber auch für viele Inselhoteliers muss es ein dramatischer Platz am Rande der Caldera sein. Dort, wo sich alles drängt und wo man mit dem Gepäck und dem Auto nur schwer hinkommt. Dakis Joannou, der zypriotische Industrielle und Kunstsammler, der schon in Athen so gewagte Hotelkonzepte wie das Periscope, New Hotel und Semiramis verwirklichte, hat damit gebrochen und sein „NOŪS“ rund 1000 Meter ins Inselinnere nach Messaria verlegt, nur fünf Autominuten vom Flughafen und knapp zehn vom Hauptort Thira. Zur zentralen Lage kommt ein weiteres Plus: Gäste steuern ihren Mietwagen bequem auf den großen hoteleigenen Parkplatz. Das nervige Suchen entfällt.

Eine Oase der Harmonie

„NOŪS“ – der Name entspringt der griechischen Antike und steht für den Geist, aber auch die Erkenntnis, die uns Menschen beim Denken überkommt. Dakis Joannou hatte die innere Eingabe, dass sein Resort keinen atemberaubenden Blick von der Caldera benötigt, um eine eigene Identität zu vermitteln. Dafür gewann er viel Freiraum, um seine Vision einer „Insel auf der Insel“ zu verwirklichen. Kein anderes Hotel auf Santorini verfügt über soviel Fläche. Den Neuankömmling begrüßt eine Art Agora, lauschige Sitznischen und zwei Wasserläufe, die über Treppen den Weg nach Westen, zur Rezeption weisen. Dahinter liegt der 50 Meter lange L-förmige Infinity-Pool. Um dieses Herzstück gruppiert sich eine dörfliche Sammlung minimalistischer Gebäude, in der die 119 Zimmer und Suiten untergebracht sind, von denen die Hälfte über einen privaten Pool verfügt.

Das Meer in gebührender Ferne ist wie ein blaues Band allgegenwärtig und blitzt zwischen weißen Mauerschrägen und Kuben hervor oder verlängert den Blick aus dem Pool ins Unendliche. Die Weitläufigkeit der Anlage mit Oleandergärten, Palmen, Yogaplätzen und einer meditativen Feuerstelle öffnen das Herz und Sinne. Das „NOŪS“ trägt also seinen Namen zurecht, denn die Harmonie der Gegensätze ist Dakis Joannou genauso gut gelungen, wie die Verbindung zur Natur und den Anleihen an die wilde Inselvergangenheit.

Moderne Eleganz und Inseltradition

Die Bungalows sind eine geschmackvolle, minimalistische Kombination aus moderner Innenarchitektur, dunklem Holz, Mosaikböden und Kunst. Das vorherrschende Cremeweiß wird immer wieder aufgebrochen durch kontrastierendes Rot, Braun und Grau – was die Farbe der Strände repräsentiert. Die eleganten Schlafzimmer sind mit Kingsize-Betten ausgestattet und bieten nicht nur einen Panoramablick, sondern auch direkten Zugang zur eigenen Terrasse mit privatem Jacuzzi oder Pool.

Die „burned wood“-Holzverkleidung, die das äußere Erscheinungsbild des Resorts mitprägt, ist eine Anspielung auf den vulkanischen Ursprung der Insel. Wandmalereien im Lobbybereich erinnern an ferne Orte, die von den Seefahrern und Kapitänen der Insel angesteuert wurden. Sie hat der schwunghafte See-Handel reich gemacht. Die schmucken, weißen Kapitänshäuser in dem Bergdorf Pyrgos zeugen noch heute davon.

Architektonisch raffiniert mit innovativer Gastronomie

Es gibt im „NOŪS“ ein architektonisch ausgeklügeltes, ebenerdiges SPA mit Therapieräumen, Hammam, Sauna und beheiztem Hallenbad, das den ultramodernen Stil des Hotels auf coole Weise unterstreicht, sowie eine Reihe von Restaurants und Bars. Das Signature Restaurant Elio’s verzichtet erstaunlicherweise auf griechische Küche und präsentiert sich augenzwinkernd als eine Hommage an eine klassische Trattoria, die man eher in Manhattan erwartet, als auf Santorini. Hinzu kommt ein ungezwungenes Tagesrestaurant mit Show-Weinkeller und Poolbar, das hervorragende Meze-Vorspeisen und selbstgebackenes Brot serviert, sowie eine Vitaminbar für Bowls, Säfte und Smoothies direkt beim Fitness-Studio.

Von Traumstränden bis zur Kunstszene

Santorini lässt sich wunderbar mit dem Mietwagen erkunden. Auch wenn es keine ausgesprochene Badeinsel ist, lohnt ein Abstecher nach Kamari Beach mit seinen unzähligen Tavernen am schwarzen Kiesstrand oder an den ehemaligen Hippiestrand von Perissa. Neben den Ausgrabungen von Akrotiri lockt der Red Beach, den Mutige über einen steilen Eselspfad erreichen können. Die kilometerlange Bucht von Vlichada, mit hellem, grobem Sand und bizarren Sandsteinfelsen zählt mit zu den schönsten Stränden, die Santorini zu bieten hat. Die alte Tomatenfabrik von Vlichada ist heute Ausstellungshalle für zeitgenössiche Kunst. Anspruchsvolle Malerei bietet auch Art Space in Exo Gonia.

Ein Ausflug in die Ewigkeit

Es gibt hervorragende Winzer, die sich auf Santorini-Wein rund um den Assyrtiko spezialisiert haben, wie das aufstrebende Weingut von Artemis Karamolegos mit angeschlossener Probierstube und Shop. Karamolegos baut auch den orangefarbenen Trendwein „Mystirio“ an, den man unbedingt verkosten sollte. Leider handelt es sich bei diesem Winzer nicht um einen Geheimtipp. Und so kann es sein, dass man schon mal auf zwei Busgruppen Kreuzfahrtgäste triff. Man erkennt diese Spezies an einem Schiffsaufkleber am Revers, damit auch keiner verloren geht, wenn sie wie Schäfchen gegen Abend alle in langen Schlangen vor der Caldera-Seilbahn in Thira zusammengetrieben werden, um sicher unten an der Mole mit den Booten wieder zu ihren schwimmenden Hotels zu gelangen.

Nach einem langen Erkundungstag kreuz und quer über die Insel lockt das „NOŪS“, das ganz private Hideaway, weit weg von der hektischen Betriebsamkeit in den engen Gassen. Wie schön, in der ersten Reihe Platz zu nehmen, mit einem Glas Assyrtiko vor sich, den Blick auf jenen Punkt gerichtet, in dem das Meer in den nachtblauen Himmel übergeht. Ewigkeit im Augenblick.

Text: Gerd Giesler
Fotos: NOŪS Santorini, Gerd Giesler // Datum: 02.02.2024