Santorini NOŪS – ein absolut ungewöhnliches Resort

Dakis Joannou, Athener Kunstmäzen, Industrieller und Erfinder der Yes! Hotels hat auf der beliebten griechischen Urlaubsinsel Santorini mit dem NOŪS ein 5-Sterne-Hotel erschaffen, das ganz gewollt aus dem erwarteten Rahmen fällt.

Magisches Santorini und die Kraft der Natur

Mythen, eine alte Kultur, schneeweiße Häuschen vor blauem Himmel – das lässt sich natürlich vielerorts auf den Kykladen finden. Das wahrhaft außergewöhnliche Erlebnis auf Santorini ist die Begegnung mit den Naturgewalten. Die weißen Häuser und ehemaligen Höhlenwohnungen schmiegen sich wie Nester an den Kraterrand des gerade mal 76 Quadratkilometer großen Eilands, auf dem heute nur 10.000 Menschen leben. In der Urlaubssaison, ab dem griechischen Osterfest, füllt sich die Insel und im Sommer, wenn die Kreuzschiffe kommen, platzt sie förmlich aus allen Nähten.

Auf Santorini feiert man das Leben und den Sonnenuntergang als ein täglich wiederkehrendes Schauspiel. Am schönsten erlebt man zur blauen Stunde die Ortschaft Iá. Sie liegt auf einer magischen Achse, was den Sonnenuntergang um entscheidende Sekunden zu verzögern scheint. Kurz davor drängt alles zur Inselspitze an der alten Windmühle auf einen Sundowner. Wenn der orangerote Feuerball scheinbar in der tiefblauen Ägäis versinkt, applaudieren alle wie verzaubert. Dabei war die Insel einst Schauplatz einer Katastrophe. Zwischen den orientalischen Auslagen der Gold- und Silberschmiede, zwischen hausgemachtem Apfelkuchen, Ledergürteln und „Enya“-Klängen, zwischen blauen Kirchenkuppeln und weiß gedeckten Tavernentischen, erahnt man noch die Reste erstarrter Lava und Tuffasche.

Vom Rand der Caldera ins Inselinnere

Die Katastrophe, Platon zufolge, die größte griechische Tragödie, ereignete sich um 1450 vor Christus. Bis dahin war die Insel um ein Vielfaches größer als heute und gekrönt von einem 1800 Meter hohen Vulkan. Am Ende der Eruption waren der Berg und die Hälfte der Insel verschwunden. In der Inselmitte klaffte eine riesige Wunde, ein Krater mit bis zu 360 Meter hohen Steilwänden, der sich mit Wasser füllte. Als habe sich das Naturereignis erst gestern ereignet, ragen die Wände der geborstenen Insel schwarz empor. In die fruchtbare Vulkanasche ducken sich heute Weinreben. Und in der Mitte rauchen die Inseln Paléa Kaméni und Néa Kaméni, die alte und die neue Verbrannte, pechschwarze Nachgeburten des Vulkans. Auf letzterer entweichen immer noch Gase und heiße Quellen erwärmen das Wasser stellenweise auf bis zu 80 Grad. Santorinis Strände sind weiß, schwarz oder rot – je nachdem, was der Vulkan an Gestein aus seinem Innersten hervorgestoßen hat.

Für die meisten Übernachtungsgäste, aber auch für viele Inselhoteliers muss es ein dramatischer Platz am Rande der Caldera sein. Dort, wo sich alles drängt und wo man mit dem Gepäck und dem Auto nur schwer hinkommt. Dakis Joannou, der zypriotische Industrielle und Kunstsammler, der schon in Athen so gewagte Hotelkonzepte wie das Periscope, New Hotel und Semiramis verwirklichte, hat damit gebrochen und sein „NOŪS“ rund 1000 Meter ins Inselinnere nach Messaria verlegt, nur fünf Autominuten vom Flughafen und knapp zehn vom Hauptort Thira. Zur zentralen Lage kommt ein weiteres Plus: Gäste steuern ihren Mietwagen bequem auf den großen hoteleigenen Parkplatz. Das nervige Suchen entfällt.

Eine Oase der Harmonie

„NOŪS“ – der Name entspringt der griechischen Antike und steht für den Geist, aber auch die Erkenntnis, die uns Menschen beim Denken überkommt. Dakis Joannou hatte die innere Eingabe, dass sein Resort keinen atemberaubenden Blick von der Caldera benötigt, um eine eigene Identität zu vermitteln. Dafür gewann er viel Freiraum, um seine Vision einer „Insel auf der Insel“ zu verwirklichen. Kein anderes Hotel auf Santorini verfügt über soviel Fläche. Den Neuankömmling begrüßt eine Art Agora, lauschige Sitznischen und zwei Wasserläufe, die über Treppen den Weg nach Westen, zur Rezeption weisen. Dahinter liegt der 50 Meter lange L-förmige Infinity-Pool. Um dieses Herzstück gruppiert sich eine dörfliche Sammlung minimalistischer Gebäude, in der die 119 Zimmer und Suiten untergebracht sind, von denen die Hälfte über einen privaten Pool verfügt.

Das Meer in gebührender Ferne ist wie ein blaues Band allgegenwärtig und blitzt zwischen weißen Mauerschrägen und Kuben hervor oder verlängert den Blick aus dem Pool ins Unendliche. Die Weitläufigkeit der Anlage mit Oleandergärten, Palmen, Yogaplätzen und einer meditativen Feuerstelle öffnen das Herz und Sinne. Das „NOŪS“ trägt also seinen Namen zurecht, denn die Harmonie der Gegensätze ist Dakis Joannou genauso gut gelungen, wie die Verbindung zur Natur und den Anleihen an die wilde Inselvergangenheit.

Moderne Eleganz und Inseltradition

Die Bungalows sind eine geschmackvolle, minimalistische Kombination aus moderner Innenarchitektur, dunklem Holz, Mosaikböden und Kunst. Das vorherrschende Cremeweiß wird immer wieder aufgebrochen durch kontrastierendes Rot, Braun und Grau – was die Farbe der Strände repräsentiert. Die eleganten Schlafzimmer sind mit Kingsize-Betten ausgestattet und bieten nicht nur einen Panoramablick, sondern auch direkten Zugang zur eigenen Terrasse mit privatem Jacuzzi oder Pool.

Die „burned wood“-Holzverkleidung, die das äußere Erscheinungsbild des Resorts mitprägt, ist eine Anspielung auf den vulkanischen Ursprung der Insel. Wandmalereien im Lobbybereich erinnern an ferne Orte, die von den Seefahrern und Kapitänen der Insel angesteuert wurden. Sie hat der schwunghafte See-Handel reich gemacht. Die schmucken, weißen Kapitänshäuser in dem Bergdorf Pyrgos zeugen noch heute davon.

Architektonisch raffiniert mit innovativer Gastronomie

Es gibt im „NOŪS“ ein architektonisch ausgeklügeltes, ebenerdiges SPA mit Therapieräumen, Hammam, Sauna und beheiztem Hallenbad, das den ultramodernen Stil des Hotels auf coole Weise unterstreicht, sowie eine Reihe von Restaurants und Bars. Das Signature Restaurant Elio’s verzichtet erstaunlicherweise auf griechische Küche und präsentiert sich augenzwinkernd als eine Hommage an eine klassische Trattoria, die man eher in Manhattan erwartet, als auf Santorini. Hinzu kommt ein ungezwungenes Tagesrestaurant mit Show-Weinkeller und Poolbar, das hervorragende Meze-Vorspeisen und selbstgebackenes Brot serviert, sowie eine Vitaminbar für Bowls, Säfte und Smoothies direkt beim Fitness-Studio.

Von Traumstränden bis zur Kunstszene

Santorini lässt sich wunderbar mit dem Mietwagen erkunden. Auch wenn es keine ausgesprochene Badeinsel ist, lohnt ein Abstecher nach Kamari Beach mit seinen unzähligen Tavernen am schwarzen Kiesstrand oder an den ehemaligen Hippiestrand von Perissa. Neben den Ausgrabungen von Akrotiri lockt der Red Beach, den Mutige über einen steilen Eselspfad erreichen können. Die kilometerlange Bucht von Vlichada, mit hellem, grobem Sand und bizarren Sandsteinfelsen zählt mit zu den schönsten Stränden, die Santorini zu bieten hat. Die alte Tomatenfabrik von Vlichada ist heute Ausstellungshalle für zeitgenössiche Kunst. Anspruchsvolle Malerei bietet auch Art Space in Exo Gonia.

Ein Ausflug in die Ewigkeit

Es gibt hervorragende Winzer, die sich auf Santorini-Wein rund um den Assyrtiko spezialisiert haben, wie das aufstrebende Weingut von Artemis Karamolegos mit angeschlossener Probierstube und Shop. Karamolegos baut auch den orangefarbenen Trendwein „Mystirio“ an, den man unbedingt verkosten sollte. Leider handelt es sich bei diesem Winzer nicht um einen Geheimtipp. Und so kann es sein, dass man schon mal auf zwei Busgruppen Kreuzfahrtgäste triff. Man erkennt diese Spezies an einem Schiffsaufkleber am Revers, damit auch keiner verloren geht, wenn sie wie Schäfchen gegen Abend alle in langen Schlangen vor der Caldera-Seilbahn in Thira zusammengetrieben werden, um sicher unten an der Mole mit den Booten wieder zu ihren schwimmenden Hotels zu gelangen.

Nach einem langen Erkundungstag kreuz und quer über die Insel lockt das „NOŪS“, das ganz private Hideaway, weit weg von der hektischen Betriebsamkeit in den engen Gassen. Wie schön, in der ersten Reihe Platz zu nehmen, mit einem Glas Assyrtiko vor sich, den Blick auf jenen Punkt gerichtet, in dem das Meer in den nachtblauen Himmel übergeht. Ewigkeit im Augenblick.

Text: Gerd Giesler
Fotos: NOŪS Santorini, Gerd Giesler // Datum: 02.02.2024

Im Trend: Küchenchefs aus Athen polieren die Inselkulinarik auf

Den Sommer verlängern auf einer der schönsten griechischen Inseln? Say no more, da kommt eigentlich nur Santorini infrage. Auch für Foodies. Zaziki und Souvlaki sind natürlich die Klassiker. Aber es geht auch anders. Hier unsere Top-Empfehlungen für kulinarische Höhenflüge auf der atemberaubenden Vulkaninsel.

Funkelnde Sterneküche auf Santorini

Im minimalistischen 5-Sterne Resort Hotel NOŪS am Rande der Weinberge von Mesaria hat der preisgekrönte griechisch-amerikanische Chef und Erfinder trendiger Restaurantkonzepte Ari Vezene mit Elio’s ein neues Signature Restaurant-Erlebnis auf die Insel gebracht. Als italienisch-amerikanisches Steakhouse verbindet Elio’s die Highlights der klassischen Italo-Küche mit den Vibes einer New Yorker Trattoria. Wer möchte, genießt den Flair einer liebevollen „Cuccina di Mama“ al fresco auf der Poolterrasse oder im Restaurant, umgeben von Kunst der swinging Sixties und stylischen Hip-hop-Klängen. Als Aperitiv empfiehlt sich zum Auftakt ein klassisch gemixter Negroni. Im Elio’s serviert ein aufmerksames Service-Team Antipasti, Primi Piatti und Dolce, in denen vorwiegend die frischesten Zutaten der Kykladen und die speziellen Aromen von Santorini verwendet werden. Die sizilianische Caponata, ein Auberginen-Gericht, kommt mit Burrata, Ricotta und parmesangefüllten Fleischbällchen daher, gefolgt von einem hauchdünnen Carpaccio vom Wolfsbarsch oder lauwarmen Zitronen-Garnelen. Zum Hauptgang empfiehlt der „Maccelaio“ des Restaurants geschmortes Hühnchen à la Cacciatore oder ganz besondere Steaks wie Delmonico Ribeye oder das weltberühmte Bistecca ala Fiorentina. Die Weinkarte enthält frische Weißweine, wie den Assyrtiko, den tiefroten Xinomavro aus Naoussa oder edle Chiantis und Brunello di Montalcino.

Am schönsten erlebt man die blaue Stunde in der Ortschaft Ia, die fast schon esoterische Beschaulichkeit ausstrahlt. Zwischen den Gold-Juwelieren, hausgemachtem Apfelkuchen, Ledergürteln und Vangelis-Klängen, zwischen blauen Kirchenkuppeln und weiß gedeckten Tavernentischen vergisst man gern, dass ein Vulkanausbruch schuld ist an der schwindelerregend schönen Inseltopografie. Die Katastrophe, bei der praktisch nur der halbrunde Kraterrand, die Caldera, stehen blieb, ereignete sich bereits 1450 vor Christus. War Santorini gar das untergegangene Atlantis? Darüber lässt es sich im herzlich familiengeführten Kastro’s Restaurant bei mediterraner Küche, Cocktails und Santorini-gebrautem Bier hervorragend philosophieren, während der Martini-Orange-rote Sonnenball langsam in der azurblauen Ägäis versinkt.

In Imerovigli an der Caldera klebt das Grace Hotel. Es ist der einzige Platz auf der Insel, der 180 Grad-Blicke auf den Sonnenuntergang mit raffinierten kulinarischen Köstlichkeiten von Griechenlands charismatischem, erstem Sterne-Koch Lefteris Lazarou, Sohn eines Schiffskochs aus Piräus, verbindet: Varoulko Santorini ist der Ableger vom berühmten Varoulko Seaside in Athen und Lazarou’s zweites Restaurant mit einem Hauptaugenmerk auf frischestem Fisch, lokalem Bio-Gemüse und Inselkräutern. Nicht verpassen sollten Sie Tintenfisch mariniert mit Basilikumpesto in seinem Kartoffelnest oder geröstete Calamari auf karamellisierten Linsen und Orangensauce.

Das Restaurant Selene ist seit 37 Jahren eine Institution und vielleicht eines der besten Gourmetlokale der Insel, weil es sich ständig neu erfindet. Es befindet sich an der Caldera in Thira an einem magisch sakralen Ort im ehemaligen Kloster dominikanischer Nonnen aus dem 18. Jahrhundert. Unter der Ägide des auf Korfu geborenen italienisch-griechischen Spitzenkochs Ettore Botrini, dem Gordon Ramsey von Athen, ist es seit Ende 2021 in seine bisherige Blütezeit eingetreten. Auch die Weinkarte ist nicht von schlechten Eltern, wird sie doch von Yannis Karakasis, einem der 408 Masters of Wine, kuratiert und liebevoll gepflegt.

„Dieser Ort ist ideal, wenn Sie mit jemandem durchbrennen oder heiraten wollen“. Der Satz von Hemingway trifft voll und ganz auf die wilde Kykladeninsel Santorini zu. Und den Heiratsantrag formuliert „er“ an „sie“ am besten in dem romantischen Hideaway-Restaurant Lycabettus in Ia mit einem atemberaubenden Blick auf das Meer. Die über die Felsen und Klippen gebaute Terrasse bietet intime Balkone für ein wundervolles Candlelight-Dinner zu zweit. Christos Karagiannis hat über zehn Jahre Erfahrung mit den unterschiedlichen Essenskulturen. Seine experimentelle Inselküche ist ambitioniert und fängt die unzähligen Aromen von Santorini perfekt ein. Seine Gerichte sind fantasievoll, seine 8-Gänge-Menüs eine kulinarische Komposition. Ein Highlight sind die kulinarischen Events mit renommierten Gastköchen aus aller Welt.

Reservierung & Kontakt

Elio’s ist täglich von 19 Uhr bis 24 Uhr geöffnet. Reservierung unter reservations@eliossantorini.gr
Kastro Oia Restaurant: Telefon 0030 22860 71045 oder info.kastroia@gmail.com
Varoulko Santorini Restaurant: Telefon 003022860 21300 oder san.santoro@aubergeresorts.com
Selene Restaurant: Telefon 003022860 22249 oder selene.gr
Lycabettus Restaurant: Telefon 00302286 186602 oder reservations@lycabettusrestaurant.com

Fotos: iStock, NOŪS Santorini, lycabettusrestaurant.com // Datum: 22.08.2023

Tinos – Wo die griechische Seele wohnt

Die Kykladen zählen zu den attraktivsten Inseln der griechischen Ägäis. Dabei geht der Trend zu high-end Apartments, die Luxus auf eine völlig neue Art interpretieren: viel Platz und Weite, ein Olympia-Size-Pool, eine minimalistische, aber hochwertige Ausstattung, ein atemberaubender Blick, sowie paradiesische Ruhe zum völligen Abschalten. All das bietet Tinos. Tinos?

Blick auf die Insel Tinos

Santorin’s Kraterrand ist mittlerweile zugebaut, auf Paros steigen die Mietvillen-Preise ins Unermessliche, aber Tinos, die kleine Schwester der Party-Insel Mykonos bietet mit dem Blue Villa Konzept luxuriöse Ferienapartments zu erstaunlich guter Preis-Leistungsrelation. Und wer die Fähre nicht mag, der kann ab nächstem Jahr stilvoll und sanft mit dem Wasserflugzeug von Helenic Seaplans einfliegen.

Alle Welt spricht von Mykonos. Die Nachbarinsel Tinos, keine 20 Fährminuten entfernt, ist dagegen vom Tourismus weitestgehend unbeleckt. Bis auf den 15. August, wenn ganz Griechenland, zumindest das griechisch-orthodoxe, zur Wallfahrtskirche Panagia Evangelistria pilgert, um sich demütig auf Händen und Knien vom Hafen die 200 Meter hinauf auf einem roten Teppich bis zur Kirche zu robben und dort die heilige Reliquie zu küssen.

Tinos besitzt eine wahrhaft griechische Seele. Vor allem leben hier, anders als auf Mykonos, noch vorwiegend Einheimische. Lebendige Tradition und ehrliche Gastfreundschaft sind sozusagen der authentische USP der Insel.

Und dann gibt es noch den Meltemi. Er ist von den Kykladen, insbesondere Mykonos und Tinos, nicht wegzudenken. Beständig bläst dieser Sommerwind tagsüber aus Nord-Nordost und flacht erst gegen Abend ab. Diese natürliche Aircondition nimmt die Hitzespitzen im Hochsommer weg und erfreut das Herz der Wind- und Kitesurfer. In früheren Zeiten trieb der Meltemi auch die von den Venezianern erbauten weißen Windmühlen an, die heute noch ihre starr gewordenen Flügel in den blauen, blankgeputzten Himmel strecken. Nur manchmal, wenn er das Meer zu sehr aufpeitscht, dann kommt sogar der Fährverkehr für Stunden zum Erliegen.

Typische Gasse in der Marmorstadt Pirgos

Zimmer mit Aussicht – Die Blue Grès Villen

Auch auf die Architektur der Kykladen hat die Brise der Ägäis seit jeher Einfluss genommen und die meisten Häuser und Urlaubsdomizile verfügen über geschützt Patios und windschattige Terrassen.

Auf dem Hügel von Agios Fokas hat man einen 180-Grad-Blick auf die Ägäis, auf Sonnenuntergänge wie Campari Orange und auf die Inseln Delos, Mykonos und Syros. Abends gleiten die Kreuzfahrtschiffe mit ihrer Christbaumbeleuchtung wie auf der Bühne vorbei.

Hier hat Markos Rigos auf einem Stück Land seinen architektonischen Traum namens Blue Grès verwirklicht und lässigen griechischen Landhausstil mit der gezirkelten Strenge eines Pythagoras verschmolzen. 2 Villen aus Stein, Holz und Beton mit Pools, Jacuzzis und reetgedeckten Terrassen, die in puncto Komfort den höchsten Ansprüchen genügen.

Markos, der auf Tinos geboren wurde, hat sein Fortune mit einer Alu-Fensterrahmen-Firma gemacht, die heute Sohn Vangelis weiterführt. In die prächtigsten Häuser der Insel hat er seine Fensterrahmen eingebaut und davon geträumt, einmal im Leben eigene Villen nach seinem Gusto zu konzipieren. Perfekte Rahmen für die Urlaubsträume anderer zu kreieren. Kein Wunder, dass seine Blue Grès Villen die schönsten Ausblicke auf Tinos und das Meer bieten und dass Markos Firma natürlich die Rahmen geliefert hat.

Kalkweiß, Caramel, Strohgelb und Mahagoni sind die vorherrschenden Farben. Die verwendeten Materialien sind von höchster Qualität. Die Kingsize-Betten versprechen erholsamen Schlaf, die puristischen Badezimmer verfügen alle über Walk-in-Regenduschen, die Wohnzimmer über Sofalandschaften, sowie teilweise über gesellige Kücheninseln. Auf den Terrassen laden bequeme Sonnenliegen zur Siesta ein. Die Villa Grès eignet sich für bis zu 14 Gäste, Blue für 12 Personen. Beide Villen verfügen über jeweils 3, mittels Treppenstufen von außen zugängigen, einzeln buchbaren Levels. Die Villa Grès besitzt im Erdgeschoss einen Privatpool, der Pool der Blue Villa steht allen Gästen zur Verfügung. Besonders entzückend: die Honeymoon Suite in der Villa Blue im obersten Level mit Traumblick und SPA Pool (ab 250 Euro pro Nacht für 2 Personen). Zum Strand mit der Taverne Marathi, eine der besten der Insel, sind es 3 Autominuten, die Stadt Chora ist 5 Minuten entfernt.

Ein Stück vom Paradies – Die atemberaubende Grès Villa bietet Luxus und Entspannung pur
Großzügige Schlafzimmer mit Blick vom Bett aufs Meer
Im Blu Grès gehört zu jedem Apartment eine voll ausgestattete Küche

Bilderbuchstrand – Bianco Beach Club

Wenn Markos Zeit hat, spielt er gerne selbst Chauffeur und zeigt seinen Gästen die Schönheit der Insel. So eine Halbtages-Spritztour beginnt mit einem Abstecher zum Bianco Beach Club in der Kiona Bucht. Für die feuchte Stirn, die von der steilen Stichstraße zur herrlich türkisen Badebucht erzeugt wird, entschädigt die mediterrane Spitzenküche von Iannis Charalambous, dem zypriotischen Chefkoch und Schauspieler. Mit seinem Pferdeschwanz, Ziegenbärtchen und den funkelnden Augen würde er eine ideale Besetzung für die Rolle des Captain Jack Sparrow abgeben. Noch ein griechischer Café frappé und Iannis Gourmetdessert Galaktompoureko zum Abschluss und schon geht es weiter. Unter den 50 beschaulichen Dörfern, von denen jedes über die typisch weiß getünchten engen Gassen, ein Kaffeneon am Platz und die obligatorische Kirche verfügt, nimmt Pirgos eine Sonderstellung ein. Das reiche Städtchen duckt sich in ein Tal voller Oleander und blieb von Barbarossas Schergen verschont. Reich ist es vor allem an dem cremefarbenen Marmor, der fast jede Häuserfassade ziert. Sogar die Wartehäuschen an der Bushaltestelle ist aus purem Marmor. Wer möchte, kann sich in der Bildhauerschule von Michail Saltamanikas selbst am weißen Gold versuchen, es muss ja kein Wartehäuschen sein.

Die alte Bäckerei im Zentrum ist nicht nur bekannt für seine mit Schafskäse und Spinat gefüllten Blätterteigtaschen, sondern allemal einen Besuch wert. Man muss nur der Nase nach dem Duft des frisch gebackenen Brotes folgen.

Iannis vom Bianco ist Chefkoch und Schauspieler
Kulinarischer Himmel am Meer – Das Bianco Beach House Restaurant in der Kiona-Bucht, wo Gaumenfreude und Meeresbrise verschmelzen

Assyrtiko – Griechischer Luxus-Wein

Weiter geht es zu den Fischern in die Panormos Bay, wo man auf wackeligen Stühlen und Tischen zwischen den trocknenden Netzen an der Mole preiswert einkehren kann. Die Speisekarte ist höchst simpel: Fisch vom Grill, Brot, Salat, Wasser und Wein. Und die Rechnung schreibt der Wirt noch mit dem Kugelschreiber auf die Papiertischdecke.

Im Inselinneren ist Tinos wild. Riesige Granitkugeln liegen verstreut in der kargen Landschaft, als hätten Zyklopen aus der Illias hier Boule gespielt. Dass trotz der Gluthitze, dem trockenen Boden und der salzhaltigen Böen auf Tinos einer der besten Weine Griechenlands angebaut wird, ist nur schwer vorstellbar. Der französische Fly-In-Winzer Stéphane Derenoncourt hat es versucht und sein Assyrtiko T-Oinos (was man Tinos ausspricht) ist mit 70 Euro pro Flasche zumindest obere Preisliga für Weißweine. Die Kellerei Vaptistis, mit der Markos um einige Ecken verwandt ist und die er deshalb lieber aufsucht, versteht vielleicht nicht soviel vom Marketing, produziert aber ebenso gute Weine, darunter einen hervorragenden Assyrtiko zum ehrlich-sympathischen Preis deutlich unter 30 Euro. Aber auch der rote Mavrotragano ist eine Granate. Die 5-Weine-Degustation für 20 Euro inklusive lokaler Häppchen mit Blick hinab auf die Küste sollte man sich daher nicht entgehen lassen.

100 % Assyrtico – der Antara von der Kellerei Vaptistis schmeckt nach Zitronenschale und einem Hauch Meersalz

Taubentürme – Das Wahrzeichen von Tinos

Auf dem Rückweg kommt man garantiert an einem Taubenturm vorbei. Die rund 800 im Livadha Tal und der ganzen Insel verstreuten Taubenhäuser sind einzigartig für Griechenland. Die ältesten Türme stammen von den Venezianern um 1700, die die Vögel als Brieftauben abrichteten und den Guano zum Düngen nutzen. Sie sind wie die Windmühlen und Kapellen beliebte Anhaltspunkte auf Inselwanderungen. Markos kennt die schönsten und auch in Sachen Kirchen ist er gut bewandert. Schließlich hat er selbst schon zwei Familienkapellen gebaut, wie sich das für einen guten Tinoten gehört.

Zum Abschluss der Tour stoppt Markos noch an der Bäckerei Agia Varvara und beschenkt seine Gäste mit leckerem Rosinen-Nussbrot, das hervorragend zum Mastiha schmeckt, dem süßen Insellikör, der aus dem Harz des Mastixstrauches gewonnen wird. „Yamas“ – sehr zum Wohle!

Die eigentümlichen Taubenhäuser der Venezianer sind ein Wahrzeichen der Insel

Blick aufs Meer für digitale Nomaden

In der Peaksaison ist das Blue Grès oft lange im Voraus schon ausgebucht. Teilweise gilt in den Sommermonaten auch ein Mindestaufenthalt von 7 Tagen. All jenen, die nicht das Glück haben, bei Markos unterzukommen, sei das Hotel Infinity View wärmstens empfohlen. Es liegt am Rande von Tinos Stadt an der Ausfallstraße direkt am Meer. In Ermangelung eines Gartens hat sich das moderne, cool gestaltete Haus mit seinen großzügigen Zimmern ganz auf den Wahnsinnsblick und die Unendlichkeit der Ägäis ausgerichtet und bietet alle Annehmlichkeiten, die z.B. digitale Nomaden für eine perfekte Workation so lieben. Einen Swimmingpool, genügend Platz für den Laptop, Highspeed-Internet, den perfekt-blauen Hintergrund für Video-Calls und eine Bar für den Afterwork-Sundowner.

Tinos geizt also nicht mit seinen Reizen für Individualisten aller Couleur. Und Markos Rigos wäre – keine Frage -der geborene Botschafter seiner Insel. Sein „Look, fantastic“, mit dem er auf die Highlights seiner Insel hinweist, kommt voller Inbrunst aus tiefstem Herzen und diese Begeisterung ist unwahrscheinlich ansteckend. Er kämpft für einen sanften Premium-Tourismus, nicht so instrumentalisiert wie nebenan auf Mykonos und für einen Saisonkalender, der nicht nur religiöse Feste kennt. Um so erstaunlicher, dass es noch niemandem so richtig gelungen ist, die Insel aus ihrem Dornröschenschlaf wachzuküssen. Möge es noch ein Weilchen so bleiben und die Wasserflugzeuge sich verzögern. Auch wenn das vielleicht egoistisch ist und Markos nicht gefallen dürfte.

Arbeiten inmitten der Unendlichkeit – Wenn Homeoffice am Strand zur inspirierenden Realität wird

Tinos Adressen

Infinity View: www.infinityview.gr
Blue Gres: www.bluegrestinos.com
Vaptistis: www.vaptistiswinery.com
Mietwagen für Tinos gibt es günstig bei Heike aus Düsseldorf, die seit 20 Jahren auf der Insel lebt: Dimitris Rent a Car: www.dimitrisrentacar.com

Text: Gerd Giesler
Fotos: Gerd Giesler, infinityview.gr, bluegrestinos.com // Datum: 24.07.2023

Die ganz große Freiheit – Du bist wie du campst

Tauche ein in die Welt des Campings und entdecke bei jedem Schritt auf der Reise neue Horizonte. In unserer Geschichte nehmen wir dich mit auf ein aufregendes Camping-Abenteuer in Botswana, das dich mit atemberaubenden Erfahrungen und magischen Momenten begeistern wird.

Das Freiheitsgefühl, an einem wunderschönen See aufzuwachen und jeden Morgen von der sanften Brise und dem glitzernden Wasser umgeben zu sein, während man sich an einem idyllischen Ort seiner Wahl befindet.

Entdecke die Faszination des Campings, eine Sommerreise der besonderen Art und erlebe eine völlig neue Dimension des Reisens. Camping ist selbstbestimmtes Abenteuer. Als solches längst nicht mehr spießig, sondern verführerisch für unterschiedlichste Zielgruppen. Seit Jahren steigt die Zahl an Reisemobilen. Dabei setzen einige Hersteller auf luxusverwöhnte Großfamilien und Best-Ager, andere auf Designfreaks oder Offroad-Experten.

Neben lokalen und internationalen Anbietern gibt es mittlerweile Online-Reisebüros wie z. B. CamperDays, die mit ihren Partnern weltweit vertreten sind. Die Kosten für ein Mietfahrzeug liegen zwischen 30 und 400 Euro pro Tag. Mit dem Wohnmobil als treuer Begleiter kannst du jeden Tag an einem neuen Ort aufwachen. An malerischen Seen parken, umgeben von majestätischen Bergen und unberührter Natur. Beim Camping erlebst du den Luxus, mitten in der Wildnis zu sein und dennoch Komfort und Freiheit zu genießen. Abgelegene Nationalparks erkunden, durch üppige Wälder wandern und wilde Tiere in ihrer natürlichen Umgebung beobachten. Jede Nacht unter dem klaren Sternenhimmel lässt dich die Weite des Universums und eigene Verbundenheit mit der Natur spüren.

Unser Autor hat den Selbstversuch bei einem namibischen Vermieter gewagt und die Nationalparks des Nachbarlandes Botswana erkundet.

Abenteuer Botswana

An einer Wassermulde ist Schluss, denn eine Horde Elefanten versperrt unserem Toyota Hilux Allrad-Camper den Weg. Zu allem Überfluss sitzt uns die Zeit im Nacken, denn in Botswana ist kurz vor 18 Uhr Sonnenuntergang und wir haben die GPS-Daten für Magoto nicht. Die wenigen Stellplätze liegen verstreut am Kwai Fluss. Völlig abgeschieden, Natur pur. Kein Strom, keine Sanitäreinrichtung, kein Nachbar in Sichtweite, kein Internet. Dennoch erhebt die lokale Behörde eine Stellplatzgebühr von 50 Euro pro Nacht.


Mit einem Toyota Hilux 4×4 Camper unterwegs über die 3rd Bridge im Moremi Park, Botswana

Eine neue Ära des Campens

Natur, Emotion und Leidenschaft sind Triebfeder der neuen Ära des Reisens, Anbieter setzen dabei auf eine klare Strategie. Für den Urlaub auf Rädern gibt es rund um den Globus je nach Reiseland und Personenzahl, Komfortbedürfnis und Budget ganz unterschiedliche Wohnmobil-Typen. Die Palette von Spezialisten wie CamperDays reicht vom klassischen Campingbus für Backpacker bis zum exklusiven Luxus-Wohnmobil. Der Vorteil solcher Plattformen: man kann aus einem großen Angebot das passende Fahrzeug auswählen und hat sofort ein Angebot für die gewünschten Daten.

Allrad Camper mit einem oder zwei Dachzelten eignen sich für einen Abenteuerurlaub von Paaren und kleinen Gruppen in Australien oder dem südlichen Afrika. Sie verfügen über einen Kühlschrank, komplette Koch- und Campingausrüstung, jedoch keine Toilette oder Dusche von Preisen ab 90 Euro pro Tag.

Voll im Trend: Der Kastenwagen

Einen Camper Van mit Kochstelle und Kühlschrank wählen Urlauber für Backpacker- und Low-Budget-Urlaube vor allem in Neuseeland für rund 50 Euro Tagesmiete.

Kastenwagen sind ausgebaute Sprinter, die Paare dank eingebauter Dusche, WC und Kochstelle für 125 Euro am Tag bequem durch Stadt und Land kutschieren. Ideal für einen Nordamerika-Urlaub.

Truck Camper sind äußerst beliebt für Touren durch die USA und Kanada. Die Pick-up Kombination mit fester Bettnische über der Fahrerkabine, WC und Warmwasserdusche erfreut sich vor allem bei Paaren und kleinen Familien wachsender Beliebtheit.

Im Campingwagen wird das Homeoffice mal anders, denn man kann die Natur genießen, während man produktiv arbeitet und den Komfort des rollenden Zuhauses in vollen Zügen auskostet.

Rollender Luxus am Yukon

Das klassische Wohnmobil ist dagegen in Europas Urlaubsregionen oft gesehen, ebenso in Ozeanien und USA. In teil- und vollintegrierten Modellen, wo die Fahrerkabine in den Wohnraum übergeht, finden bis zu sechs Personen locker Platz. Die Ausstattung gleicht einem Appartement und sogar ein Gefrierfach ist mit an Bord. Für dieses Maß an Komfort blättert man rund 160 Euro am Tag hin.

Ein Luxus-Wohnmobil mit ausfahrbarer Loggia, die für zusätzlichen Wohnraum sorgt, beherbergt auf über neun Metern Länge bis zu 7 Personen und entfaltet seine Vorteile auf den geraden Pisten am Yukon, im Denali Nationalpark aber auch auf bundesdeutschen Autobahnen und das für 240 Euro.

Der Luxuswagen beeindruckt mit seiner eleganten Silhouette, die seine Exklusivität und Raffinesse bereits von außen erkennen lässt.
Die Innenausstattung des luxuriösen Wohnmobils begeistert mit hochwertigen Materialien, elegantem Design und allen Annehmlichkeiten, um den Aufenthalt zu einem exklusiven und komfortablen Erlebnis zu machen.

Die Buschdusche bringt Wellness in die Wildnis

Die Kehrseite des Booms: in der Hauptsaison sind Wohnmobile und Camper Vans schnell ausgebucht, zudem ist das Fahrzeug-Angebot in vielen Ländern begrenzt und je später die Buchung, desto bescheidener die Auswahl und höher die Preise. Auf der sicheren Seite sind Kunden, die bereits acht bis zehn Monate vor der geplanten Reise nach dem Wunschgefährt Ausschau halten. Wichtig ist, beim Buchen die Verfügbarkeit von Flügen und Wohnmobil parallel zu prüfen. In den USA und Kanada dürfen Urlauber ihr fahrbares Ferienhaus frühestens einen Tag nach der Fluganreise übernehmen, um ausgeruht an den Start zu gehen. Für die Buchung ist in manchen Ländern nicht nur ein Mindestalter vorgeschrieben, sondern auch der internationale Führerschein, wie beispielsweise in Namibia. Noch ein heißer Tipp: Wer in Botswana Campsites in entlegenen Gebieten wie Kubu Island oder Magoto ansteuert, muss zugunsten einer grandiosen Natureinsamkeit auf Komfort gänzlich verzichten, da sind ein paar zusätzlich vom Expeditionsausstatter mitgebrachte Ausrüstungsgegenstände wie schnelltrocknende Mikrofaserhandtücher, Stirnlampen, die mobile Buschdusche oder eine windsichere Tischkerzen-Laterne Gold wert.

Elefanten haben Vorfahrt

Gestern Nacht sind im Okawango Flussdelta auf der wildromantischen Campsite Xakanaxa drei Tüpfelhyänen bis auf sieben Meter an unser Lagerfeuer gekommen. Ihre Augen reflektierten im Schein der Kopflampen wie grüne Smaragdovale. Frühmorgens gegen fünf haben wir dann die Löwen in bauchigem Bass brüllen gehört, vielleicht vier Kilometer entfernt vom Camp, aber unverkennbar. Self-Drive-Safaris erfordern ein großes Maß an Achtsamkeit. Wer unterwegs aus dem Fahrzeug steigt, muss sich im Klaren sein, dass im Baum darüber ein Leopard sitzen könnte. Und durstige Elefanten machen in der Trockenzeit auch nicht vor den Waschhäusern der Campingplätze halt, weswegen das Waschhaus in Savuti aussieht, wie ein Hochsicherheitstrakt. Was nicht für die Stellplätze gilt. Wer Fußspuren lesen kann, wird überrascht sein, was des Nachts so alles um das Zelt schleicht. Nicht nur Lebensmittel, auch Wasser gehört daher unter Verschluss ins Wageninnere, nie ins Zelt. Selfdrive erfordert auch Erfindertum, so überstehen die in Handtüchern gewickelten Rotweingläser mühelos die Tiefsand-Wellblechpiste vor Baines Baobab und der Profi weiß auch, dass Elefanten immer Vorfahrt haben, denn muss man erst einmal vor einem aufgebrachten Bullen im Rückwärtsgang auf Demutsdistanz gehen, steigt der Stresspegel ins Unermessliche.

Die besondere Magie des Campings unter dem klaren Sternenhimmel liegt in der Verbindung mit der Natur und dem Gefühl der endlosen Weite des Universums über uns.

Auf Augenhöhe mit der Schöpfung

Botswana ist bekannt für seine luxuriösen Fly-in Safaris und seine exklusiven Resorts mitten im Busch – im Gegensatz zur Selfdrive-Safari bieten diese Touren für viel Geld nahezu alle Annehmlichkeiten. Eines aber nicht: das Abenteuer, in durchaus zivilisationsfernen Gebieten, den vielleicht letzten mobilfunkfreien dieser Erde, auf sich allein gestellt zu sein, und die Schöpfung nicht als ein konsumierbares Tourismusprodukt zu begreifen. Eines der letzten großen Abenteuer.

Sundowner am Zebrastreifen

Wir sind unterwegs im unteren Teil des Makgadikgadi Nationalpark in Richtung Boteti River.  Unser Toyota schnurrt durch die Tiefsandpiste wie durch Sulzschnee. Erst im milden Abendlicht sehen wir Giraffenhälse im Busch und ein paar Zebras, die versprengt die Piste kreuzen. Und dann blicken wir auf einer Anhöhe plötzlich auf das Flusstal und hunderte, vielleicht tausend Zebras vor uns. Noch nie haben wir so eine große Herde gesehen. Es ist, als hätten sich die Tiere zu einem besonderen Anlass verabredet, wir verharren in andächtiger Stille, fasziniert von dem Treiben kaum 500 Meter vor uns. Der richtige Spot für einen Sundowner. Schnell ist die Laderampe heruntergeklappt und eiskaltes Ginger Ale aus dem Kühlschrank in die Gläser gefüllt. 2700 Kilometer liegen hinter uns und in weniger als 24 Stunden werden wir den Toyota am Flughafen in Windhuk zurückgeben. Doch jetzt möchte keiner daran denken. Und die untergehende Sonne taucht wie zum Trotz den Himmel über den Zebras in kitschiges, fast surreal anmutendes Rot.

Text: Gerd Giesler
Fotos: Gerd Giesler, © iStock // Datum: 16.06.2023

5 Stufen zum nachhaltigen Lebensstil

Nachhaltiges Handeln erfordert, dass eigene Werte und Überzeugungen reflektiert und eine Verbindung zur Umwelt hergestellt werden. In unserem Interview sprechen wir mit Prof. Dr. Marcel Hunecke, wie die Stärkung der inneren psychischen Ressourcen ein nachhaltiges Verhalten fördern kann.

Marcel Hunecke ist Professor für Allgemeine Psychologie, sowie Organisations- und Umweltpsychologie an der FH Dortmund, Privatdozent an der Fakultät für Psychologie an der Ruhr-Universität Bochum und Buchautor: „Psychologie der Nachhaltigkeit“. Seine Forschungsschwerpunkte sind Strategien zur Förderung nachhaltigen Verhaltens durch Stärkung der inneren psychischen Ressourcen des Menschen.

„Der Auftrag, der uns heute gesetzt ist, lautet: Uns selbst, unsere Umwelt und die Strukturen dieser Welt zu heilen und zu heiligen… Man mag dies für eine Aufgabe halten, die unsere Kräfte übersteigt. Aber wenn wir im Bewusstsein unserer Unvollkommenheit und Schwäche trotzdem alle unsere Kräfte für ihre Erfüllung einsetzen, dann kommt ein Segen hinzu und aus dem Kleinen wird ein Großes.“

Albert Schweizer (1875-1965)

Herr Hunecke, woran liegt es, dass wir zwar genau wissen, was nachhaltig ist und was nicht, aber sehr häufig nicht nachhaltig handeln oder manchmal ganz bewusst die Augen davor verschließen?

„Das Wissen um die Notwendigkeit der Veränderung ist bei den Menschen angekommen. Es bleibt aber psychologisch gesehen an der Oberfläche. Es trägt selten zur dauerhaften Veränderung der individuellen Lebensstile im Sinne eines gesamtheitlich ressourcenschonenden guten Lebens bei. Aus psychologischer Sicht ist es schwierig den Menschen etwas wegzunehmen, was sie schon haben oder ihnen etwas vorzuschreiben. Anders gesagt: Wer nachhaltig handelt, muss mit einem positiven Gefühl belohnt werden. Sonst wird er seinen Lebensstil kaum dauerhaft ändern. Letztlich müssen die Leute freiwillig zu mehr Nachhaltigkeit kommen.“

Wie definieren Sie umweltpsychologisch einen nachhaltigen Lebensstil?

„Nachhaltiger Lebensstil setzt sich aus einer Vielzahl an Verhaltenszielen zusammen. Das ist der Knackpunkt. Denn der Mensch hat einfach viele Ziele, die er erreichen möchte und da ist die Nachhaltigkeit nur eines von vielen und in der Zielhierarchie noch nicht einmal sehr hoch aufgehängt. Um aus diesem Zielkonflikt herauszukommen, müssen wir ans Eingemachte, an unsere Persönlichkeit.“

Und dafür sind die psychischen Ressourcen in uns wichtig?

„Konsum-Erlebnis-Gesellschaft wird immer noch als Motor unserer Kultur angesehen. Die teure Uhr, das Statussymbol Auto, das schicke Designer-Outfit. Wer hart arbeitet, hat scheinbar ein Anrecht auf Belohnung. Der Weg dorthin? Ein Touchpoint auf dem Bildschirm. Alles, was ich will, muss sofort da sein, 24 Stunden lang.

Diese Kultur hat eine große Anziehungskraft, das kann man nicht leugnen. Und der moralische Zeigefinger, den gibt es durch den Club of Rome (Anmerkung der Redaktion: Die Grenzen des Wachstums) bereits seit den 70er Jahren, hat zu keinen grundlegenden Erfolgen geführt. Erziehung allein ist es also nicht. Und auf rein technologischer Ebene haben wir Anfangserfolge erzielt, aber das wird nicht reichen um an das gesteckte Klimaziel ranzukommen. Wir brauchen eine sozial-ökonomische Transformation. Der Schlüssel liegt in den Quellen für subjektives Wohlbefinden. Was kann ich in mir selbst fördern? Mein Ansatz dafür sind die sechs psychischen Ressourcen Selbstakzeptanz, Selbstwirksamkeit, Genussfähigkeit, Achtsamkeit, Sinnkonstruktion und Solidarität.“

Was genau hat das mit Nachhaltigkeit zu tun?

„Wenn ich mit mir im Reinen bin, kann ich auf einiges verzichten, was mit Status und Positionalität zu tun hat, das meint Selbstakzeptanz. Bei der Selbstwirksamkeit geht es vor allem darum, inwieweit ich Veränderung in der Welt in mir selbst umsetzen kann. Das Schlimme an der Klimadebatte ist ja die tückische Resignation: Ich alleine kann sowieso nichts ausrichten.

Genussfähigkeit schließlich endet automatisch in der Nachhaltigkeit, das zeigt sich bei der Qualität von Lebensmitteln oder der Slow-Food-Bewegung, wo es um Klasse und nicht um Masse geht. Achtsamkeit ist in der Metafunktion eine der wichtigsten Ressourcen, um einen geänderten Lebensstil zuzulassen. Hier geht es um die Automatisierung im Verhalten, um in den Moment zu kommen, den Stresslevel zu reduzieren, raus aus dem Hamsterrad!

Sinnkonstruktion ermöglicht es, das eigene Verhalten in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Und Solidarität bedarf es, um sich darauf einzulassen. Sie schafft einen Referenzrahmen der sozialen Verantwortung, in dem man sich in Relation zu anderen Menschen begreift, bis hin zu spirituellen oder religiösen Vorstellungen. Es lohnt sich, dass ich mich für das Wohlergehen anderer einsetze.“

Wie kann man Menschen helfen, psychische Ressourcen zu stärken?

„Psychische Ressourcen lassen sich in gesellschaftlichen Settings weiterentwickeln. Coaching ist eine gängige Methode, Fähigkeiten und Kompetenzen in diese Richtung zu sensibilisieren, zum Beispiel durch Achtsamkeitstrainings. Eine große Bedeutung kommt auch dem Bereich Bildung durch Schulen, Institutionen, Kommunen und NGOs zu.

Wer heute 30 Jahre alt ist, wurde geboren, als in Deutschland ein CO₂-Ausstoß pro Kopf von 12,5 Tonnen gemessen wurde. Heute liegt dieser unter 7,9 Tonnen. Noch ein weiter Weg zur Klimaneutralität, aber das Wissen, wie sie funktionieren kann, ist vorhanden.

Gut, die erste Hürde, ausreichend informiert zu sein, mag im Problembewusstsein angekommen sein. Aber die Vorstellung, ich verhalte mich mal umweltschonend, ist reine Vision. Und die in den Alltag zu überführen ist schwierig und überfordert die meisten.

Wenn ich also das Wissen habe und auch von der Absicht geprägt bin zu handeln, dann muss ich mein Verhalten planen – eine große Barriere zwischen Wollen und Tun.“

Und wie überwindet man diese Barriere konkret?

„Sie müssen Verhaltensziele für sich formulieren: ab morgen benutze ich statt des Autos öffentliche Verkehrsmittel in die Arbeit. Das ist ein konkretes Ziel und bedarf gewisser Vorbereitung. Da kommen organisatorische Probleme hinzu, Infrastrukturen, Regelungen. Was, wenn es auf meiner Route keinen Linienverkehr gibt? Oft ist das mit höherem Aufwand verbunden, den ich auf mich nehmen muss.

Und hier kommen die psychischen Ressourcen ins Spiel, die bewirken, dass ich die Reduktion meines persönlichen CO₂ Fußabdruckes nicht als Opfer, sondern als sinnvolles Tun begreife?

„Sie können spezifisches Verhalten ganz gut verändern und dauerhaft in Ihr Leben überführen, in dem Sie immer wieder intervenieren und nach dem 5-Stufen-Schema Information – Motivation – Planung – Handlung – Routinisierung vorgehen.

Also weniger Fleisch essen, bei Flugreisen CO₂-ärmere Direktflüge buchen, Wertstoffe recyclen, Niedrig-Energie-Geräte verwenden, oder auf Sharing-Konzepte setzen. Damit kann man zumindest in einem Bereich relativ erfolgreich sein.“

Wie betrachten Sie in diesem Kontext nachhaltige Geldanlage?

„Das ureigene Ziel aller Geldanlagen ist ja die Rendite. Früher waren das Zinsen und jetzt zu Zeiten der Inflation sind es Aktien, Fonds und Sachwerte. Ökologisch sinnvolle Geldanlagen lassen sich in eine Marketing-Strategie überführen. Natürlich will man Rendite erzielen. Aber vielleicht nicht mehr um jeden Preis. Die Frage: Wofür soll mein Geld arbeiten – gewinnt zunehmend an Bedeutung. Information schafft Transparenz und dadurch Bewertungsgrundlagen. Am Ende steht dann das klare Verhaltensziel Wechsel von klassischen Anlagen zu ökologischen.

Seit geraumer Zeit gibt es einen regelrechten Boom, was Anlageformen nach ESG-Kriterien, also bezüglich Ökologie, Soziales und Unternehmensverantwortung betrifft. Sehen Sie darin eine große Bedeutung für die Klimaneutralität?

„Es geht nicht mehr allein um Shareholder-Value. Die Menschen sehen bei Geld verstärkt eine Sinnperspektive, also das Bedürfnis, gesellschaftlich wünschenswerte Entwicklungen zu unterstützen. Geld als Mittel zum Zweck für inhaltliche Ziele anstelle reiner Vermehrung. Das geht in Richtung Systemwechsel und ökologisch-ökonomischer Transformation. Leider haben wir nicht nur ein quantitatives Problem in Bezug auf die absolute Geldmenge, sondern vor allem sitzt uns die Zeit im Nacken. Der ökonomische Umbau läuft. Aber wir haben keine 100 Jahre Zeit. Daher müssen wir auf die motivationale Ebene setzen, um aus der reinen Konsum-Erlebnis-Kultur auszusteigen. Wenn wir das Klimaziel 2045 erreichen wollen, brauchen wir die Transformation der Gesellschaft. Und das geht nur, wenn die Menschen begreifen, dass man ein gutes Leben führen kann, wenn man sich nachhaltig verhält.

Text: Gerd Giesler
Fotos: © iStock // Datum: 22.05.2023

Lebenslanges Lernen

In einer Welt, in der sich Wissen und Technologie rasant weiterentwickeln, ist lebenslanges Lernen notwendig geworden. In unserem Interview sprechen drei Experten darüber, wie sie mit dem Konzept des „Lifetime Learning” ihr Unternehmen erfolgreich in die Zukunft führen.

Die Welt verändert sich rasant. Geschäftsmodelle verändern sich. Wir sollen uns ständig weiterentwickeln oder neu erfinden. Die Transformation in den Unternehmen und der Perspektivenwechsel werden zum Dauerzustand. Wer nicht mit Partnern und Kunden auf Augenhöhe, authentisch und werteorientiert kommuniziert, zieht heute oft den Kürzeren. Gefragt sind neben ökonomischer auch die ökologische Kompetenz und die Anerkennung ethischer Prinzipien. All dies hat in mittelständische Unternehmen längst Einzug gehalten. Hinzu kommt der wachsende Digitalisierungsgrad, der unseren Alltag zunehmend hybrider gestaltet.

Der Erfinder und Gründer Henry Ford hat einst gesagt: „Jeder, der aufhört zu lernen, ist alt, egal ob er 20 oder 80 ist“. Die Fähigkeit, ständig Neues zu lernen, umzulernen und auch zu verlernen, ist eine Überlebensnotwendigkeit. Für viele heißt es deshalb mehr denn je dazuzulernen und die eigenen Kompetenzen auszubauen. Doch mit den neuen Anforderungen hat sich ein neues Selbstverständnis vom Lernen durchgesetzt. Wir sprachen mit drei Experten, die Lifetime Learning für sich selbst oder ihr Unternehmen erfolgreich praktizieren und konsequent umsetzen.

„Arbeiten und Lernen verschmelzen. Es ist unsere Zukunftsaufgabe, eine lernfreudige Kultur in Unternehmen zu schaffen.“

Prof. Dr.phil. Dipl. Soz. Erich Schäfer

Erich Schäfer, Leiter des Masterstudiengangs „Coaching und Führung“ an der Ernst Abbe Hochschule Jena, Vorsitzender des Instituts für Weiterbildung, Coach und Buch-Autor, untersucht das Phänomen seit vielen Jahren. Von ihm wollten wir wissen, ob lebenslanges Lernen den Schlüssel zu mehr Erfolg und Anerkennung im Leben darstellt.

Erich Schäfer: „Noch viel umfassender! Es ist der Schlüssel zu mehr Zufriedenheit, Selbstwirksamkeit, Autonomie, besseren Beziehungen zu Mitmenschen, ja sogar zu besserer Gesundheit.“

Jeder hat wohl vom lebenslangen Lernprozess seine eigene Vorstellung. Können oder müssen wir lebenslanges Lernen lernen?

„Wenn wir Kinder beobachten, sehen wir, mit welcher Neugier sie die Welt entdecken. Und dann kommt die Institution Schule und macht dies nicht selten zunichte. Im Erwachsenenalter hat man es dann oft mit Menschen zu tun, die denken, sie bräuchten nichts mehr lernen oder die psychologisch so traumatisiert sind, dass sie das Lernen aufgegeben.“

Welche Vorstellungen und Mythen über das Lernen halten sich denn hartnäckig in der Bevölkerung?

„Dass Lernen keinen Spaß machen darf. Dass die Lust am Lernen mit dem Alter rapide abnimmt – was längst widerlegt ist. Bestimmte Fähigkeiten nehmen im Alter sogar noch zu. Wir sprechen da von fluider und kristalliner Intelligenz“.

Der Unterschied der Intelligenzformen besteht darin, dass fluide Intelligenz Denkprozesse umfasst, die unabhängig von Erfahrung sind und auf angeborene Fähigkeiten zurückgreift. Kristalline Intelligenz dahingegen bezieht sich auf Wissen und Fähigkeiten, die wir im Laufe unseres Lebens erworben haben und durch Bildung und Erfahrung stetig verbessern können. Während die fluide Intelligenz mit zunehmendem Alter sinkt, bleibt die kristalline Intelligenz meist konstant.

Die Digitalisierung ermöglicht völlig neue virtuelle Lernformate. Man kann sich ganz individuell und ortsungebunden Kompetenzen aneignen. Wird das die Unternehmensstrukturen verändern und die Bereitschaft zum flexiblen Lernen zu einem Einstellungskriterium erheben?

„Das geschieht bereits. Das Mehr an Information, das allen durch Vernetzung zugängig ist, verändert auch das Verhältnis von Mitarbeitern und Führungskräften. Da sind Formen von mehr Selbstbestimmung gefragt. Modern geführte Organisationen müssen auf die Autonomie und die Selbstverantwortung der Mitarbeiter setzen und die Lernbereitschaft in den Arbeitsprozess integrieren. Arbeiten und Lernen verbindet sich und es wird zur Zukunftsaufgabe, eine lernfreundliche Kultur im Unternehmen zu schaffen.“

Wie lernen Sie selbst?

„Ich habe sehr früh erkannt, dass ich das, was ich lerne, am besten für mich selbst umsetze, wenn ich es anderen erkläre. Damit habe ich schon als Studierender angefangen.“

„Ich arbeite oft mit jungen Menschen. Einen Junior Relation Manager begleiten wir bei Aufgaben, denen er vielleicht im Moment noch nicht 100%ig gewachsen ist und die Bestätigung, dass er auf einmal die Sache kann, setzt neue Potenziale frei.“

Nicole Groß, Geschäftsführerin ZIIB Zahlungssysteme GmbH

Wie profitieren Unternehmer und Gründer vom lebenslangen Lernen wollten wir von Nicole Groß, Geschäftsführerin einer Berliner Dienstleistungsagentur für bargeldlosen Zahlungsverkehr wissen.

Nicole Groß: „In nur sechs Jahren haben wir mit „Pay with Charlie“ das QR-Code-basierte bargeldlose Bezahlen – wie es in Asien bereits üblich ist – hierzulande entwickelt und 2021 eine erfolgreiche Funding-Runde absolviert. Wir wollen nicht der Tanker, sondern das Speedboot der Branche sein.“

Sie waren im früheren Leben u. a. bei Master Card, der Karstadt Quelle Bank und der Sparkassenstiftung bevor Sie sich selbstständig machten. Gab es in Ihrem Leben schon einmal einen Punkt, an dem Sie nicht mehr weiterwussten?

„Als Alleingründerin musste ich anfangs um Kredite kämpfen und auch mal auf eigenes Gehalt verzichten, um meine Mitarbeiter pünktlich bezahlen zu können. Geschicktes Verhandeln und mein großes Netzwerk haben es mir ermöglicht, diese Idee erfolgreich zu machen“.

Welche Ihrer Entscheidungen waren rückblickend wegweisend?

„Dass ich zukunftsorientiert analysiert habe, welche Bezahllösungen sich weltweit durchsetzen werden. Und auf meine Handelspartner zuzugehen, auch ein Ohr zu haben für den Kiosk um die Ecke und zuzuhören, wo ihn der Schuh drückt.“

 Haben Sie sich nebenbei aktiv fortgebildet?

„Das Unternehmertum wurde mir nicht in die Wiege gelegt. Betriebswirtschaftlich ganzheitlich zu denken, habe ich durch Karriere-Steps in den Firmen gelernt, in denen ich beschäftigt war.“

„Selbstzufriedenheit ist mir fremd, denn das Gute ist ja bekanntlich der Feind des Besseren“

Dr. Tamas Georgadze, CEO Raisin Bank AG

Auch Tamas Georgadze, Gründer der Firma Raisin, die mit ihrer Finanzplattform Weltsparen als Spezialist für Tages- und Festgeld auf außerdeutschen Märkten mittlerweile 25 Milliarden Euro direkt oder über Partner verwalten, sieht den Erfolg darin, auf zeitgemäße Trends wie Produkttransparenz und einfache digitale Abschlussmöglichkeiten gesetzt zu haben.

Was war der ausschlaggebende Punkt für Sie 2012 Weltsparen zu gründen?

Tamas Georgadze: „Wenn man wie ich aus Georgien kommt und mit dem eisernen Vorhang aufgewachsen ist, dann sind der europäische Gedanke, offene Grenzen, Schengen und Kapitalmarktfreiheit die Schlüsselworte dieser Geschäftsidee.“

Haben Sie in den letzten Jahren noch dazu gelernt?

„Auf jeden Fall. Vor allem, dass es nicht den Kunden an sich gibt. Da haben wir viel in Sachen „contextual banking“ gelernt, vor allem in der Zusammenarbeit mit Partnern, die für spezielle Segmente stehen, wie beispielsweise Beratungsleistungen.“

Haben Sie auch aus Fehlern gelernt?

„Wir haben uns als eines der ersten Fintech-Startups mit jugendlichem Elan für ein paneuropäisches Produkt ins Ausland gewagt und mussten dann erfahren, dass das Timing nicht optimal war und der Onbording-Prozess in jedem Markt anders funktioniert. Das Learning daraus? Anstelle eines großen Roll-outs lieber Schritt für Schritt in jeden Markt gehen.“

Die Frage, ob im Leben ein Cut und damit noch einmal etwas ganz anderes vorstellbar wäre, ist für Tamas Georgadze nicht abwegig. Auch Nicole Groß steht dem positiv gegenüber, „wenn es denn etwas Großes wäre“. Und Erich Schäfer erklärt: „Erst jetzt entwickle ich Fähigkeiten und Potenziale, zu denen ich früher keine Zeit hatte, wie zum Beispiel das Malen, für das schon mein Großvater ein kreatives Händchen hatte.“

Text: Gerd Giesler
Fotos: iStock, Alessandro Biascioli; iStock, Lukas Schramm, privat // Datum: 28.04.2023

Appetit auf Meer

Ein irischer Städtetrip der besonderen Art. Die Reise nach Galway verspricht eine Mischung aus historischem Erbe, atemberaubender Natur und eine Fülle von kulturellen Veranstaltungen sowie kulinarischen Erlebnissen.

Menschenleere Strände, schwindelerregende Klippen und das Gefühl, wieder mal so richtig geerdet zu sein. Die Stadt Galway ist ein absoluter Schatz für Naturliebhaber und nicht nur die spektakuläre Naturkulisse zieht viele Besucher an, denn auch Kulturbegeisterte kommen nicht zur kurz. Jährlich findet das International Arts Festival im Sommer statt und gibt Gelegenheit, Galway im Lichte künstlerischer Darstellungen kennenzulernen. Ein pittoreskes, lebenslustiges Städtchen direkt am Atlantik, das sich auch als wahres Schmuckkästchen für kulinarische Entdeckungen entpuppt. Für jeden ist etwas dabei. Ein Highlight, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Unser Tipp? Hinfahren und Staunen, denn Galway ist eine absolute Traumstadt.

Das Tigh Neachtains liegt in der Altstadt von Galway und ist das älteste Pub der Stadt. Als 1894 der Familien-Clan Morton das Eckhaus übernahm, zog gleich der Liberalismus mit ein, für den die Stadt bis heute steht. Frauen durften nämlich auch ins Pub. Allerdings gab es für sie die „snugs“, holzgetäfelte Abteile, in denen sie sich, den Blicken der Männer entzogen, dem Biergenuss hingeben durften. Den Frauen war das recht, so mussten sie sich nicht dem strengen Geruch der Bauern und Schafhirten aussetzen. Im letzten Jahrhundert schneite hier gern der amerikanische Poet und Freidenker Allen Ginsberg auf ein Pint vorbei, wenn er mit seinem Lebensgefährten in der Stadt war. Heute ist die beschaulich-gemütliche „City of Tribes“, die Stadt der 14 Familien-Clans, die einst Galway dort gründeten, wo der Corrib in den Atlantik mündet, ein Schmelztiegel der Nationalitäten und Inbegriff des „Leben und Leben lassen“.  Die Stadt ist jung, wegen seiner Studenten und bunt wegen der Feste: vom Austern-Festival über das Filmfest bis hin zum internationalen Kunstforum im Juli. Sich nach dem Veranstaltungskalender der gefeierten europäischen Kulturstadt zu richten lohnt sich. Zum gesellschaftlichen Leben gehört auf der grünen Insel und in Galway das Bier, am populärsten als obergäriges, schwarzes Stout mit der cremigen Schaumkrone, dem Bier, das die Dubliner Familie Guinness weltbekannt machte. Bier passt eigentlich immer. Zum „full irish breakfast“ mit Rührei, Speck, Bohnen und Blutwurst, zu frischen Austern, zu den in Irland so beliebten Hochzeitsfeiern oder abends im Pub.

Es passt zum entschleunigten Lebensstil der Iren. Man nimmt sich noch Zeit für einen Plausch, mit dem Nachbarn wie dem Fremden, oder um die irischen Volksweisen zu pflegen. „Seelenwasser“ nennt die ortsansässige Soulwater Brauerei sogar ihr „Kojack“, eine leichtere Variante des Guinness, das aus Hafer gebraut wird.

Samstagnacht erwacht in der Crane Bar die irische Seele. Im ersten Stock ist kaum ein Platz zu finden, wenn sich die Einheimischen zum Musizieren treffen und uralte Lieder erklingen, die von den Alten an die Jungen weitergegeben werden. Wenn dann spontan ein „Galway Girl“ zur Fidel zu tanzen beginnt, lässt sich erahnen, woher der Sänger Ed Sheeran seine Inspiration zum gleichnamigen Song hatte.

Der vielleicht schönste Einstieg, um sich mit Galway vertraut zu machen, ist ein kulinarischer Streifzug durch den Bauch der Stadt. Leider ist die irische Küche noch immer geprägt von einem Stigma. Seit dem 16. Jahrhundert, heimgesucht von Hungersnöten, trieb es viele Iren auf die Schiffe nach Amerika, um dort ihr Glück zu finden. Doch die grüne Insel bietet weit mehr als Kartoffeln und die Klassiker „Irish Stew“ und „Shepherd’s Pie“. Seit ein paar Jahren bietet die in der Gastro-Szene bestens vernetzte Sheena Dignam ihre „Galway Food Tour“ an. Treffpunkt ist jeden Samstag um 10.30 Uhr vor Griffins Bakery. Die schmale Bäckerei, seit 1876 in Familienhand, ist eigentlich viel zu klein für das berühmte, zwei Meter lange Weißbrot, das sie verkauft. Für Bäcker Jimmy Griffin ist es Therapie-Ersatz. „Seit seinem Tauchunfall vor 6 Jahren, vor der Küste Galways, als ihm ein aggressiver Congeraal in die Wange biss, backt er dieses Aal-Brot“, erzählt Guide Orlagh den drei Damen aus Wisconsin und Judy, der Heimweh geplagten Studentin aus Boston, die ihr Professor zur besseren Eingewöhnung auf die Food-Tour schickte. Gemütlich über den Samstagsmarkt schlendern, Austern probieren, ein „Ura-Maki“ von Yoshimi, die vor 19 Jahren aus Japan kam, und mit ihrem Wa Café Sushi in die Stadt brachte, oder gar ein Löffelchen indisches Curry am Bean Tree-Stand. Mittags brummt auch das „Kai“, dessen Besitzer David und Jess Verfechter der „Slow Food“-Bewegung sind. Der „Claire Crab Salad“ oder das „Jarka Dahl Squash“ sind eine kleine Sünde wert. Schließlich blicken die Gäste durch das gläserne Dach der Kneipe direkt auf die gotische Kathedrale St. Ignatius.

Zurückversetzt ins viktorianische Zeitalter fühlt man sich im „Cupán Tae“ vis-à-vis vom Spanischen Tor bei einem Tässchen „Dreamy Creamy Galway“ und Cupcake mit Limette, Zucchini und Macha-Glasur – stilvoll serviert von Mae in Rock und Spitzenhaube. Cupán ist eine Oase, vor allem wenn das Wetter sich von seiner irisch-launischen Seite zeigt. Später lockt ein Spaziergang entlang der Uferpromenade bis nach Salthill, wo rüstige Rentner vom Schwimmverein beim Kraulen im Atlantik beobachtet werden können.

Die raue Salzluft macht Appetit auf Galways zwei Dinner Highlights, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Das Ard Bia, direkt am Spanischen Tor ist eine urige Kneipe, dem Reich von Amelia. Handys sind hier unerwünscht. „Die Leute sollen sich unterhalten“ – und genießen. Sodabrot mit Algenbutter, Seeteufel mit Kresseblumen, dazu ausgewählte Weine. Im Michelin-Stern-Restaurant Loam umgibt den Feinschmecker cooles Industrieambiente vor der gläsernen Showküche. Chefkoch Enda McEvoy bezieht alle Zutaten von irischen Biobauernhöfen, um seine Interpretation vom Westen Irlands auf den Teller zu zaubern, in Form von 3-5- oder 7-Gänge-Menüs, wahlweise mit korrespondierenden Weinen. Zu „Tintenfisch, Shiitake und Ei“ bringt Sommelier Niall Flynn, an dem ein Poet verloren gegangen ist, einen Riesling vom Weingut Max Richter.

Galway ist Ausgangspunkt zu Irlands grüner Seele: zum Connemara National Park, zum Killarney Fjord, zum „Ring of Kerry“, den Aran Inseln und natürlich zu den sagenumwobenen „Cliffs of Mohair“. Am besten ist, die Gegend mit dem Mietwagen zu erkunden. Erst mal an das Linksfahren gewöhnt, tritt zumeist die totale Entspannung ein angesichts der gewaltigen Natur. Oft sieht man unterwegs auch keine Menschenseele und ist allein mit Wildpferden zwischen Ginster und Brombeerhecken, Fasanen und natürlich Schafen, Schafen, Schafen …

Die „Cliffs of Mohair“ sollten kurz vor Sonnenuntergang angesteuert werden, dann sind die Tourbusse weg und hat die Klippen fast für sich allein. Über acht Kilometer lang ist der Weg entlang der Steilküste, die bis zu 214 Meter den tiefblauen Atlantik überragt. Die Szenerie ist absolut magisch, und mit etwas Glück lassen sich sogar Wale, die durch den aufgewühlten Atlantik pflügen, entdecken.

Text: Gerd Giesler
Fotos: Gerd Giesler // Datum: 26.04.2023

Gamification: wie Luxusmarken junge Konsumenten durch Social Media gewinnen

So viel ist klar: um Buzz zu generieren, müssen Luxusmarken in den sozialen Medien wahrnehmbar aktiv sein. Je globaler die Brands, desto mehr Kanäle gilt es zu bespielen: neben Facebook, Instagram und YouTube, in China eben Sina Weibo, YouKu oder WeChat, und VK in Russland. Brands wie Chanel, Louis Vuitton, Dolce & Gabbana oder Burberry geben hier den Ton an. Sie haben bereits früh verstanden, gute Lifestyle-Stories zu erzählen und die jungen Adressaten mit Gamification zum Mitgestalten zu animieren, anstatt den reinen Kommunikationsfokus auf ihre Produkte zu legen. Klar, die Modebranche tut sich hier in vielem leichter, da morgen vergangen ist, was heute zählt. Und gerade die Dynamik der Social Media Kanäle verpflichtet dazu, sie in kurzen, schnellen Rhythmen zu füttern und zu bespielen.

Wie Luxusmarken Gamification gekonnt einsetzen

Kosmetikmarken wie Estée Lauder, Dior Makeup oder Bobbi Brown bespielen Social Media mit How-to-Tutorials. Das geht natürlich nur in eine Richtung. Shiseido geht mit der „Rouge Rouge Kiss-Me“ App hier schon einen Schritt weiter: es gilt den Touchscreen zu küssen, während man auf der App verweilt. Seit kurzem animiert Dior auf Facebook und Instagram zur Antwort auf die Frage „What would you do for love?“ und promotet damit eine Neuauflage des Duftes Miss Dior. Hermès lädt à la „J’aime mon carré“ mit der App „Silk Knots“ zum Spielen und Ausprobieren ihrer ikonischen Seidenobjekte ein. Auch sehr zeitgemäß: die Macher der Peter Lindbergh-Ausstellung in München veranlassten ihre Besucher in einer Photo-Booth ihren Selfie-Drang mit Lindbergh-Filter auszuleben. Sehr viel mehr gute Beispiele gibt es noch nicht. Schade, denn „Gamification“ birgt so viele Chancen, Kunden zur Interaktion zu bewegen über alle Branchen hinweg. Dabei stets in Bezug auf die für die Millennials wie auch Gen Z gleichermaßen wesentlichen Handlungsdimensionen: Collaboration, Connectivity, Convenience und Community.

Influencer als Animateure der Luxusmarken

Marken müssen für diese jungen Konsumenten, die mit Smartphone in der Hand aufgewachsen sind, digital und spielerisch erfahrbar sein, um ihnen zu ermöglichen, Teil des Markengeschehens zu werden. Es müssen Berührungspunkte geschaffen werden, die Herzen wie Touchscreens berühren. Eine besondere Rolle in diesem Spiel nehmen zudem Blogger und Vlogger ein, als Animateure, selbsternannte Direktoren im Markenzirkus mit einem entertainmentgetriebenen jungen Publikum. Ihr Benefit: sie wissen, was ihren Followern gefällt und wie sie ihre Botschaften gezielt mit Beifallsgarantie in die Manege streuen. Warum diese nicht an einen Tisch bringen mit Spiele-Entwicklern aus dem digitalen Bereich. Die Kooperation mit ihnen kann die ideale Anti-Aging-Strategie, ein Invest in Marken-Nimbus und Attraktivität sein. Oder den Kunden von morgen für die Marke und ihre Produkte begeistern und sie zum Mitspielen animieren. Wie Olivia Palermo in den Kooperationen mit Piaget oder Vianel unter Beweis stellt. Denn: kein Luxus ohne MitspielerInnen.

Petra-Anna Herhoffer, Julia Riedmeier

Angela Franklin, Imago, iStock // Datum: 19.09.2017