01.05.2017

Wie das Fyre Festival den perfekten Social Media Shitstorm geschaffen hat

Fiona Brutscher schreibt als Redakteurin über Reise, Mode, Design und Kultur. Für sie ist wahrer Luxus immer auch nachhaltig.

Anstatt sich auf einem Luxus-Festival auf den Bahamas zu vergnügen, verbrachten einige “Elite Millennials” das Wochenende damit, das spektakuläre Scheitern des Fyre Festivals auf allen Social Media-Kanälen zu dokumentieren. Anstatt “Geschichte zu schreiben” mit einem “einmaligen Musik-Erlebnis” “an der Grenze zum Unmöglichen,” mussten die Veranstalter einen Social Media Shitstorm bändigen.

Zumindest können alle Beteiligten sich damit trösten, dass sie tatsächlich dabei waren, als Festival-Geschichte geschrieben wurde. Das Fyre Festival ist momentan das meistdiskutierte Festival der Welt, nur leider aus den falschen Gründen.

Organisationsfehler des Fyre Festivals

Der Hauptgrund für das Scheitern war die katastrophale Organisation. Es fehlte schon am Nötigsten; an die versprochenen Luxus-Unterkünfte, Gourmet-Verpflegung und Concierge-Services war gar nicht zu denken. Zuletzt sagte auch noch eine Band nach der anderen ab.

Schadenfreude über Luxus um des Luxus willen

Der Grund für die unbändige Social Media Schadenfreude war aber die Vermarktung des Fyre Festival als Luxus um des Luxus willen. Es ging nicht darum, eine fantastische Veranstaltung durch exklusive Extras zum Luxus zu erhöhen. Das Fyre Festival bot ein mittelmäßiges Lineup, mit für die Millennial-Zielgruppe weitgehend irrelevanten Musikern, beworben von bezahlten Influencern.

Das offizielle Promo-Video (siehe oben) zeigt in hochwertiger Optik das Hauptargument für den Kauf der völlig überteuerten Tickets: unbeschwerter Luxus, verkörpert durch Models an Bord einer Yacht und am weißen Karibik-Strand. Die Veranstaltung selbst ist hier nebensächlich, eingestreute Festival-Szenen wirken beliebig und deplaziert.

Luxus-Marketing braucht ein solides Fundament

Der ultimative Beweis dafür, dass das gesamte Festival auf unzeitgemäße Vorstellungen von Luxus gebaut hat: Der Veranstaltungsort wird als ehemalige Privatinsel von Pablo Escobar beworben. Die Veranstaltung wurde also explizit mit einem Mann in Verbindung gebracht, dessen Luxus-Leben bekanntlich finanziert wurde durch unmoralisch und illegal erworbenen Reichtum. Ein derart wackliges Image-Fundament hält keiner Social Media-Krise stand.

Krisenmanagement im Social Media Shitstorm

Immerhin bot das mangelhafte Krisenmanagement der Veranstalter dem Gastland eine Gelegenheit, die Konversation ins Positive zu wenden. Das Tourismus-Ministerium der Bahamas hatte das Fyre Festival im Vorfeld unterstützt. Als sich die Katastrophe anbahnte, veröffentlichten die offiziellen Social Media-Kanäle noch vor den Festival-Veranstaltern eine Stellungnahme.

Mitarbeiter von Bahamas Tourism leisteten vor Ort Soforthilfe, um die Abreise der Gäste zu organisieren und das Chaos in den Griff zu bekommen. Lokale Taxifahrer, Hoteliers und Airbnb-Hosts trugen ihren Teil dazu bei, einigen Gästen doch noch ein schönes Wochenende auf den Bahamas zu bescheren. Währenddessen arbeiteten die Social Media Teams mit dem Hashtag #ItsBetterInTheBahamas daran, das Image des Inselstaats als Luxus-Destination zu retten.

Die abschließende Pressemeldung stellt schließlich alles richtig, was die Bahamas im Zuge der Berichterstattung über das Fyre Festival im schlechten Licht erscheinen ließ – und nutzt somit die mediale Aufmerksamkeit optimal.

Der gegensätzliche Umgang mit dem Scheitern des Luxus-Festivals zeigt, dass ein solides Produkt und ein authentisches Image auf Social Media gute von schlechter Publicity unterscheidet. Das Bild der Bahamas als Sehnsuchtsort war mit gut platziertem Krisenmanagement leicht zu retten. Der dünne Luxus-Anstrich des lieblos zusammengeschusterten Fyre Festivals ist dagegen nicht mehr zu retten.

Header-Foto: Die berühmten schwimmenden Schweine © Bahamas Ministry of Tourism 

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