11.7.2018

Welcher Wohnmobil-Typ sind Sie?

Camping ist ein selbstbestimmtes Abenteuer und wird immer verführerischer. Die Zahl der Reisemobile steigt, letztes Jahr um 22 Prozent. Hersteller setzen auf luxusververwöhnte Großfamilien und Best-Ager wie auch Designfreaks und Offroad-Experten. Neben lokalen und internationalen Anbietern gibt es mittlerweile Online-Reisebüros wie z.B. CamperDays mit 20.000 Mietfahrzeugen in 24 Ländern. – Ein Selbstversuch in Namibia und Botswana.

Natur pur: Abenteuer Botswana

An einer Wassermulde ist Schluss. Eine Horde Elefanten versperrt unserem Toyota Hilux Allrad-Camper den Weg. Zu allem Überfluß sitzt uns die Zeit im Nacken, denn in Botswana ist kurz vor 18 Uhr Sonnenuntergang und wir haben die GPS-Daten für Magoto nicht. Die wenigen Stellplätze liegen verstreut am Kwai Fluss, völlig abgeschieden. Natur pur. Kein Strom, keine Sanitäreinrichtung, kein Nachbar in Sichtweite, kein Internet. Dennoch erhebt die lokale Behörde eine Stellplatzgebühr von 50 Euro pro Nacht.

Asco Toyota Landcruiser

Campsite direkt am Kwai

Endlich finden wir den Abzweiger, passieren Akazien und Giraffen, die aussehen wie Scherenschnitte. Wir haben Glück: Campsite MAG-1 direkt am Kwai ist noch zu haben und im silbernen Fast-Vollmondlicht bauen wir das Dachzelt auf. Das Auto parken wir nahe der Feuerstelle, das flößt Sicherheit ein. Die nackten Füße strecken wir ans wärmende Feuer, denn abends wird es empfindlich kühl, dazu kommen ein Glas Stellenbosch Pinotage in die Hand und die Steaks auf den Rost. So fühlt sich Afrika an. Später klettern wir bettschwer aufs Dach. Ein Reißverschluss-Zurren stoppt die Nachtkälte. Kreuz des Südens und der wilde Busch müssen draußen bleiben.

Wohnmobil am Fluss

Eine neue Ära des Campens

Natur, Emotion und Leidenschaft sind Triebfeder der neuen Ära des Reisens. Anbieter setzen dabei auf eine klare Strategie. Für den Urlaub auf Rädern gibt es rund um den Globus je nach Reiseland und Personenzahl, Komfortbedürfnis und Budget ganz unterschiedliche Wohnmobil-Typen. Die Palette von Spezialisten wie CamperDays reicht vom klassischen Campingbus für Backpacker bis zum exklusiven Luxus-Wohnmobil. Der Vorteil solcher Plattformen: man kann aus einem großen Angebot das passende Fahrzeug auswählen und hat sofort ein Angebot für die gewünschten Daten.

Was den Boom regelrecht befeuert: Luxus ist in zwei Richtungen interpretierbar. Für die einen ist es die Einsamkeit der Natur, die nicht mit jedem Wohnmobil zugänglich ist. Für die anderen ist Luxuscamping das fahrbare Haus mit allen Schikanen: Motorhomes mit Whirlpool auf dem Dach, Heckgarage für den Porsche Boxter oder, wie in den USA beliebt, mit Marmorbad. Dies bleiben allerdings Sonderanfertigungen, sie sind auf dem Mietmarkt kaum zu haben. Hierzulande kann man die „Luxury Royal Class“ mit dem Morelo Premium Liner oder Concorde Centurion auch mieten ab 2.260 Euro für 6 Tage inklusive 1800 Kilometer, die Verlängerungsnacht kostet 295 Euro – in etwa wie eine Suite im Hotel. Allerdings ist bei diesen Monster-Motorhomes oft der LKW-Führerschein von Nöten.

Allrad Camper mit einem oder zwei Dachzelten eignen sich für einen Abenteuerurlaub von Paaren und kleinen Gruppen in Australien oder dem südlichen Afrika. Sie verfügen über einen Kühlschrank, komplette Koch-und Campingausrüstung, jedoch keine Toilette oder Dusche, bei Preisen ab 90 Euro pro Tag.

Luxus-Wohnmobil Concorde Centurion
Concorde Centurion

Voll im Trend: Der Kastenwagen

Einen Campervan mit Kochstelle und Kühlschrank wählen Urlauber für Backpacker-und Low-Budget-Urlaube vor allem in Neuseeland für rund 50 Euro Tagesmiete. Kastenwagen sind ausgebaute Sprinter, die Paare dank eingebauter Dusche, WC und Kochstelle für 125 Euro am Tag bequem durch Stadt und Land kutschieren – ideal für einen Nordamerika-Urlaub. Truck Camper sind äußerst beliebt für Touren durch die USA und Kanada. Die Pickup-Kombination mit fester Bettnische über der Fahrerkabine, WC und Warmwasserdusche erfreut sich vor allem bei Paaren und kleinen Familien wachsender Beliebtheit.

Camper Britz Voyage

Rollender Luxus am Yukon

Das klassische Wohnmobil ist dagegen in Europas Urlaubsregionen oft gesehen, ebenso in Ozeanien und USA. In teil-und vollintegrierten Modellen, wo die Fahrerkabine in den Wohnraum übergeht, finden bis zu sechs Personen locker Platz. Die Ausstattung gleicht einem Apartment und sogar ein Gefrierfach ist mit an Bord. Für dieses Maß an Komfort blättert man rund 160 Euro am Tag hin. Ein Luxus-Wohnmobil mit ausfahrbarer Loggia, die für zusätzlichen Wohnraum sorgt, beherbergt auf über neun Metern Länge bis zu sieben Personen und entfaltet seine Vorteile auf den geraden Pisten am Yukon, im Denali Nationalpark, aber auch auf bundesdeutschen Autobahnen – und das für 240 Euro.

Camping Namibia

Die Buschdusche bringt Wellness in die Wildnis

Die Kehrseite des Booms: In der Hauptsaison sind Wohnmobile und Campervans schnell ausgebucht, zudem ist das Fahrzeug-Angebot in vielen Ländern begrenzt und je später die Buchung, desto bescheidener die Auswahl und höher der Preis. Auf der sicheren Seite sind Kunden, die bereits acht bis zehn Monate vor der geplanten Reise nach dem Wunschgefährt Ausschau halten. Wichtig ist, beim Buchen die Verfügbarkeit von Flügen und Wohnmobil parallel zu prüfen. In den USA und Kanada dürfen Urlauber ihr fahrbares Ferienhaus frühestens einen Tag nach der Flug-Anreise übernehmen, um ausgeruht an den Start zu gehen. Für die Buchung ist in manchen Ländern nicht nur ein Mindestalter vorgeschrieben, sondern auch der internationale Führerschein, wie beispielsweise in Namibia. Noch ein heißer Tipp: Wer in Botswana Campsites in entlegenen Gebieten wie Kubu Island oder Magoto ansteuert, muss zugunsten einer grandiosen Natureinsamkeit auf Komfort gänzlich verzichten, da sind ein paar zusätzlich vom Expeditionsausstatter mitgebrachte Ausrüstungsgegenstände wie schnelltrocknende Mikrofaserhandtücher, Stirnlampen, die mobile Buschdusche oder eine windsichere Tischkerzen-Laterne Gold wert.

Hippie Camper

Elefanten haben Vorfahrt

Gestern Nacht sind im Okawango Flußdelta auf der wildromantischen Campsite Xakanaxa drei Tüpfelhyänen bis auf sieben Meter an unser Lagerfeuer gekommen. Ihre Augen reflektierten im Schein der Kopflampen wie grüne Smaragdovale. Frühmorgens gegen fünf haben wir dann die Löwen in bauchigem Bass brüllen gehört, vielleicht vier Kilometer entfernt vom Camp, aber unverkennbar. Self-Drive-Safaris erfordern ein großes Maß an Achtsamkeit. Wer unterwegs aus dem Fahrzeug steigt, muss sich im Klaren sein, dass im Baum darüber ein Leopard sitzen könnte. Und durstige Elefanten machen in der Trockenzeit auch nicht vor den Waschhäusern der Campingplätze halt, weswegen das Waschhaus in Savuti aussieht wie ein Hochsicherheitstrakt. Was nicht für die Stellplätze gilt. Wer Fußspuren lesen kann, wird überrascht sein, was des nachts so alles um das Zelt schleicht. Nicht nur Lebensmittel, auch Wasser gehört daher unter Verschluß ins Wageninnere, nie ins Zelt. Selfdrive erfordert auch Erfinderreichtum. So überstehen die in Handtücher gewickelten Rotweingläser mühelos die Tiefsand-Wellblechpiste vor Baines Baobab. Und der Profi weiß auch, dass Elefanten immer Vorfahrt haben, denn muss man erst einmal vor einem aufgebrachten Bullen im Rückwärtsgang auf Demutsdistanz gehen, steigt der Stresspegel ins Unermessliche.

Auf Augenhöhe mit der Schöpfung

Botswana ist bekannt für seine luxuriösen Fly-in Safaris und seine exklusiven Resorts mitten im Busch. Im Gegensatz zur Selfdrive-Safari bieten diese Touren für viel Geld nahezu alle Annehmlichkeiten. Eines aber nicht: In zivilisationsfernen Gebieten, den vielleicht letzten mobilfunkfreien dieser Erde, auf sich allein gestellt zu sein, und die Schöpfung nicht als ein konsumierbares Tourismusprodukt zu begreifen, ist eines der letzten großen Abenteuer.

Gin Tonic am Zebrastreifen

Wir sind unterwegs im unteren Teil des Makgadikgadi Nationalpark in Richtung Boteti River. Unser Toyota schnurrt durch die Tiefsandpiste wie durch Sulzschnee. Erst im milden Abendlicht sehen wir Giraffenhälse im Busch und ein paar Zebras, die versprengt die Piste kreuzen. Und dann blicken wir auf einer Anhöhe plötzlich auf das Flußtal und hunderte, vielleicht tausend Zebras vor uns. Noch nie haben wir so eine große Herde gesehen! Es ist, als hätten sich die Tiere zu einem besonderen Anlass verabredet. Wir verharren in andächtiger Stille, fasziniert von dem Treiben kaum 500 Meter vor uns. Das ist auch der richtige Spot für einen Sundowner. Schnell ist die Laderampe herunter geklappt und eiskalter Gin und Tonic aus dem Kühschrank in die Gläser gefüllt. 2700 Kilometer liegen hinter uns und in weniger als 24 Stunden werden wir den Toyota am Flughafen in Windhuk zurückgeben. Doch jetzt möchte keiner daran denken. Und die untergehende Sonne taucht wie zum Trotz den Himmel über den Zebras in kitschiges, fast surreal anmutendes Rot.

Zebras in Botswana
Zebrastreifen in Botswana

Autor: Gerd Giesler

Fotos: camperdays.de, concorde, Gerd Giesler