31.8.2018

Süßes aus dem 3D-Drucker

In immer mehr Branchen wird mit 3D-Druck gearbeitet. In der Medizintechnik ist es schon nicht mehr wegzudenken, aber auch individuell gestaltete Häuser und perfekte Ballettschuhe können schon bald aus dem Drucker kommen. Wer schnell ist, darf auf ein großes Geschäft hoffen. Das Freisinger Start-up Print2Taste wurde mit dem 3D-Druck von Lebensmitteln zum Weltmarktführer.

Schicht um Schicht wächst der Hummer

Das Gerät hat eine leichte Ähnlichkeit mit einer Nähmaschine. Doch dort, wo sonst die Nadel surrt, sitzt eine kleine Düse, aus der langsam eine Lebensmittelpaste tritt. Mit feinen Bewegungen legt die Düse Schicht auf Schicht übereinander. Was zunächst als undefinierbarer Klecks beginnt, nimmt nach und nach Gestalt an. Ein paar Minuten vergehen, dann liegt ein Hummer vor dem staunenden Beobachter. Er besteht aus Pasta und soll als Blickfang für ein erlesenes Abendessen dienen. Bei dem, was einer Nähmaschine ähnelt, handelt es sich um den 3-D-Drucker Procusini, hergestellt vom Start-up-Unter-nehmen Print2Taste in Freising. „Die Idee ist dieselbe wie bei Omas Spritzbeutel“, erklärt Geschäftsführer Gerd Funk. „Doch statt der engen Grenzen herkömmlicher Werkzeuge kann die Kreativität in der Küche jetzt ihre ganze Kraft entfalten.“ Mit einem 3D-Drucker lassen sich einfach und schnell dreidimensionale Lebensmittel in beliebiger Form herstellen – vom Schriftzug bis zur Figur. Einzige Voraussetzung ist, dass die Zutaten eine cremige Konsistenz haben. Funk: „Die besten Ergebnisse erzielen wir mit Schokolade und Marzipan.“

img1-3D-Food-Printing-System-Procusini-und-Procusini-Dual_Übersichtsbild,-©Procusini

Experimente mit dem 3D-Drucker

Begonnen hat die Geschichte des Procusini- Druckers an der Hochschule Weihenstephan- Triesdorf. Dort wurde bereits mit Lebensmitteldruck aus einem umgebauten Kunststoffdrucker experimentiert. Funk: „Wir haben uns im August 2014 als Print2Taste GmbH in Freising ausgegründet.“ Die nächsten zwei Jahre vergingen mit der Optimierung der Funktion. Vor allem die Konsistenz der Zutaten wurde intensiv erforscht. Funk: „Entscheidend ist, dass der Faden nicht reißt. Unser Ziel war eine Gelinggarantie bei Verwendung unserer Lebensmittel. Das haben wir erreicht.“ Als diese Frage gelöst war, schien die Zeit für einen Marktstart reif, Anfang 2016 fiel der Startschuss.

Wunschfee 3D

Obwohl 3D-Lebensmitteldruck echte Hightech ist, lässt sich der Procusini-Drucker leicht bedienen. Computerkenntnisse sind nicht erforderlich. Der Druck funktioniert über Webbrowser. Der Käufer erhält einen Zugang zu einer Datenbank mit vielen Mustern und Vorlagen. Vom VW-Käfer bis zum ehemaligen US-Präsidenten Obama finden sich zahllose online, aus denen der Kunde wählen kann. Er entscheidet sich für die Zutat, stellt die Größe ein, tippt einen Text ein, falls gewünscht, und kann zusehen, wie sich das Objekt aus dem Drucker windet. Es dauert etwa 50 Minuten, bis ein sieben Zentimeter hohes Objekt gedruckt ist. Kunden profitieren auch vom Service nach dem Kauf – Software-Updates etwa werden kostenlos zur Verfügung gestellt. Auch die Reinigung der Maschine ist unkompliziert, da Lebensmittel und Hardware nicht miteinander in Berührung kommen.

img2-Geschäftsführer-Gerd-Funk,-Print2Taste-GmbH
Print2Taste-Geschäftsführer Gerd Funk

Schneller Erfolg

Die angepeilte Zielgruppe war von Beginn an begeistert. Ob in Catering, Event-Gastronomie, Hotels sowie Bäckerei und Konditorei – die neue Möglichkeit, Lebensmittel mit individuellen Schriftzügen und Objekten zu verzieren, inspirierte die Macher in Küchen und Kantinen auf Anhieb zu mutigen und originellen Kreationen. Inzwischen sind weltweit über 300 Geräte im Einsatz, der Exportanteil beträgt etwa 50 Prozent.

Print2Taste für alle

Für die internationale Verbreitung war das Messebeteiligungsprogramm von Bayern International ein wichtiges Sprungbrett. „Wir waren auf dem Gemeinschaftsstand der NRA in Chicago“, erinnert sich Funk, „und kamen prompt mit dem ersten Hotelkunden in Miami zurück.“ Vor Ort filmten Fernsehteams und machten den Procusini schnell in den USA und außerhalb bekannt. In der Folge wurde er auf bedeutenden Preisverleihungen und Trend-Awards von London bis Dubai als außergewöhnliche Innovation geehrt. „Aktuell stehen wir in dem Segment als Nr. 1 da“, berichtet Funk – und das nach gut zwei Jahren Geschäftstätigkeit.

Neben dem Gerät selbst bietet Print2Taste https://www.procusini.com/ Seminare zum Lebensmitteldruck an. Als nächstes soll ein Drucker für Privatanwender auf den Markt kommen: Anfang 2019 könnte er marktreif sein und etwa 400 Euro kosten. Zum Vergleich: Das Profi- Modell liegt bei 1.985 Euro. Die Investoren, darunter das Bundeswirtschaftsministerium mit seinem Hightech Gründerfond, werden es gern hören. Bedingt durch hohe Investitionen in die Entwicklung wirft Print2Taste noch keine Gewinne ab. Doch das junge Unternehmen ist auf Kurs: In 24 Monaten plant die GmbH profitabel zu sein.

Autor: Kai Bargman

Fotos: Print2Taste