09.10.2017

Gorilla-Trekking als Luxus-Abenteuer

Gorilla Forscherin Dian Fossey hätte sich im Grab umgedreht, aber der Gorilla-Tourismus brachte Strom, Schulen und Krankenhäuser nach Ruanda und die Population an Berggorillas steigt endlich wieder. Der Nebeneffekt: zahlungskräftige Individualtouristen geben sich beim Gorilla-Trekking die Klinke in die Hand, trotz strenger Regeln. Jetzt hat die Regierung kurzerhand die Preise verdoppelt. Auch um die letzten Berggorillas der Welt zu schützen vor zu viel menschlicher Begegnung.

Gorilla-Trekking als Baustein für Luxusreisen

Ähnlich wie beim Ansturm auf die Antarktis ist die Sehnsucht, die Wunder der Natur selbst hautnah zu erleben, bevor die Menschheit sie zerstört hat, der Grund für die enormen Zuwächse beim Gorilla-Trekking seit den letzten 20 Jahren, weiß Mike Cranfield von den Gorilla Doctors zu berichten. Seine Organisation kümmert sich zusammen mit der Dian Fossey Gorilla Stiftung um die Erfassung, Verortung, Beobachtung und medizinische Versorgung der Gorillas in Ruanda, Uganda und DR Kongo. Rund 900 wilde, sowie teils an Touristen gewöhnte Berggorillas soll es nach Cranfield wieder weltweit geben, verteilt maßgeblich auf diese drei afrikanischen Staaten. Als Dian Fossey 1963 ihre Forschungsarbeit aufnahm, waren es kaum noch 200 Berggorillas. Weil die DNA der Gorillas zu über 95 Prozent mit der unseren übereinstimmt, kann eine Touristen-Grippe, die durch zu engen Kontakt übertragen würde, für Gorillas tödlich sein. Mit ein Grund, Berggorillas im Sinne Fossey’s nicht zum reinen Showprodukt zu machen.

Gorilla-Safari Vulcanoes National Park
Treffen mit der Gorilla-Familie Pablo bei der Gorilla-Safari im Vulcanoes National Park.

1500 Dollar für eine Stunde Gorilla Watching

Das Dilemma ist, dass es ohne Touristendevisen auch nicht geht. 1500 Dollar kostet das Berggorilla-Permit mittlerweile im Vulcanoes National Park in Ruanda. 650 Dollar zahlt man derweil noch für eine Stunde Gorilla Watching im Bwindi Impenetrable Forrest in Uganda. Im Kongo sollen es in der Regenzeit sogar nur 200 Dollar sein. „Ich empfehle nach wie vor Ruanda, weil dort der Wald nicht so dicht ist und die Begegnungen mit den Gorillas intensiver ablaufen“, erzählt Miriam Hils, Afrika-Expertin  beim Offenburger Spezialveranstalter Moja Travel. „Fast alle, die dort einmal Gorilla-Trekking erlebt haben, kommen anders zurück, als sie aufgebrochen sind.“

Gorilla-Safari im Vulcanoes National Park – Erfahrungsbericht

Pünktlich um sieben Uhr holt uns Shindishi, der Fahrer, mit seinem strahlenden Lächeln aus der Lodge ab. Wir hatten auf gutes Wetter gehofft und nun schüttet es aus grauen Wattewolken. Die mächtigen Dreitausender im Vulcanoes National Park haben sich verhüllt. Wir fahren zum Besucherzentrum. Dort herrscht Jahrmarktstimmung. Rund 100 Touristen warten bei Folkloretänzen am Fuße des Mount Sabinyo auf den Tag der Tage. Nach den Formalitäten werden wir für die Gorilla-Safari zusammen mit zwei jungen Paaren aus den USA der zweitgrößten, halbwilden Gorilla-Familie Pablo mit 28 Mitgliedern zugeteilt. Für die Amerikaner ist dies ein Tagestripp zwischen Serengeti und Kapstadt. Wildhüter Bosco, ein drahtiger, muskulöser Typ in Gummistiefeln, wird uns zu den Gorillas führen. Per Jeep geht es noch einmal eine Stunde über Schotterpisten zu einem Dorf. „Afrikanische Massage“ nennt sich das. Dann heißt es Regenzeug anlegen, die Kameras wasserdicht in Rucksäcke packen, und schon stapfen wir los, Bosco mit Gewehr und Funkgerät voran über morastige Felder bergauf in den Nebelwald.

Gorilla-Trekking, Ruanda
Gorilla hautnah beim Gorilla-Trekking in Ruanda.

Plötzlich schauen uns die Berggorillas tief in die Augen

Irgendwo dort oben auf 3000 Meter Höhe im Bambuswald waren die Gorillas gestern. Wo die Pablo-Family heute steckt, wissen wir nicht. Fährtenleser sind Stunden vor uns aufgebrochen, um sie für uns zu finden. Auf zwei bis drei Stunden Marsch tippt Bosco. Wir keuchen in der dünnen Luft. Endlich kommt der erlösende Funkspruch: Gefunden! Und nach 90 Minuten Hangelei von Bambusrohr zu Bambusrohr schauen uns auf einer Lichtung im weichen, nach Kräutern duftenden Moos, warme, bernsteinfarbene Gorillaaugen neugierig an. Klopfenden Herzens nähern wir uns dem 200 Kilo schweren Familienoberhaupt. Wir sinken andächtig auf die Knie. Guide Bosco knurrt in der Gorillasprache und der mächtige Silberrücken grunzt zurück. Eine Antwort, die auch wir verstehen: „Es ist alles okay“, wir sind akzeptiert. Nass bis auf die Haut beobachten wir ein Junges, das sich vor Kälte fröstelnd an die Mutter klammert. Beide streifen uns fast am Arm, als sie vorbeiziehen. Nach einer Stunde mahnt Bosco zum Aufbruch. Hunderte Fotos und Videosequenzen sind der Beweis, dass diese Begegnung wirklich stattfand. Aber auch sie werden nicht annähernd zeigen, wie das ist, einem Berggorilla aus nächster Nähe in die Augen zu schauen.

Gerd Giesler

Credits: Gerd Giesler