18.05.2017

Deutsch-französische Freundschaft: die Luxus-Branche und der neue Präsident

Fiona Brutscher schreibt als Redakteurin über Reise, Mode, Design und Kultur. Für sie ist wahrer Luxus immer auch nachhaltig.

Frankreich hat einen neuen Präsidenten. Beim traditionellen Antrittsbesuch in Berlin bekräftigte Macron seine Wahlversprechen, sich für ein starkes Europa und eine gute Beziehung zu Deutschland einzusetzen. Was erhoffen sich Luxus-Unternehmen im deutschsprachigen Raum, französische Branchen-Insider und deutsch-französische Interessenverbände vom Machtwechsel? Wir haben Menschen gefragt, die Frankreich, französische Marken und den französischen Markt gut kennen.

Französisches Leben in München

Aude Creveaus Freude über den Ausgang der Wahl ist immer noch nicht verflogen. Die ehemalige PR-Expertin betreibt in München eine Website für französische Expats. Sie kennt also das Verhältnis der Franzosen zu ihrer Wahlheimat, weiß, was sie an Deutschland schätzen und an Frankreich vermissen. Vor allem weiß sie, wie wichtig ihnen ein offenes und tolerantes Europa ist. Das gilt vor allem für die, die sich in beiden Ländern zu Hause fühlen. Die haben in München übrigens zu 95 % für Macron gestimmt.

„Wenn ich die französischen Wahlen in einem Wort zusammenfassen müsste, wäre es: Erleichterung. Ich bin erleichtert, dass die französischen Wähler sich für die Demokratie und für Europa entschieden haben. Erleichtert, weil unsere Wirtschaft, aber auch wir als Menschen Europa brauchen. Was wäre wohl passiert, wenn Frankreich sich von seinen europäischen Nachbarn abgewendet hätte? Was wären die wirtschaftlichen Folgen gewesen? Ich mag gar nicht daran denken. Die französische Wirtschaft war schon stärker, aber wir haben immer noch das Savoir-faire, unsere Luxus-Marken und Produkte, auf die wir stolz sind! Ich bin mir sicher, dass unser neuer Präsident sich aktiv darum bemühen wird, den Handel zu fördern und neue Möglichkeiten zur Zusammenarbeit zu schaffen.“ – Aude Creveau, Vivre à Munich

Französischer Wein in österreichischen Gläsern

Maximilian J. Riedel mit dem Dekanter Amadeo Double Magnum
Maximilian J. Riedel mit dem Dekanter Amadeo Double Magnum

Dem Glashersteller Riedel liegt das gute Verhältnis zu Frankreich besonders am Herzen. Als einziges österreichisches Mitglied im Comité Colbert positioniert sich die Firma in einer Linie mit den exklusivsten französischen Luxus-Unternehmen. Im Weinland Frankreich trinkt man gerne aus hochwertigen Riedel-Gläsern. Nicht zuletzt schätzt Maximilian J. Riedel, der das Familienunternehmen in der 11. Generation leitet, das Land auch privat.

„Ich habe einige Jahre in Frankreich gelebt und kenne und schätze die Kultur und Gepflogenheiten dort sehr. Für das Unternehmen ist Frankreich schon immer ein Prestigemarkt gewesen. Aufgrund der steigenden Affinität zu Wein und weil sich die lokale Konkurrenz schlechter positioniert hat, wird Frankreich für uns aber auch aus geschäftlicher Sicht immer interessanter. Daher haben wir 2016 eine eigene Tochterfirma in Paris gegründet.“ Maximilian J. Riedel, Riedel Glas

Luxus als französischer Wirtschafts- und Tourismusfaktor

Die französische Luxusindustrie ist ein wesentlicher Wirtschafts- und Tourismusfaktor. Davon profitieren auch deutsche Hersteller, deren Produkte bei Shoppingtrips in Frankreich in die Koffer der Touristen wandern.

„Kooperationen im politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereich zwischen Deutschland und Frankreich werden sich langfristig auch positiv auf den Tourismus auswirken – und dies nicht nur in der Sparte Luxus/Shopping. Destinationen wie Paris und die Côte d’Azur haben eine florierende Luxus-Branche, welche Touristen aus aller Welt anzieht und das Image Frankreichs als Heimat des Luxus prägt. Die Branche hatte 2012 einen Anteil von 4,7 % am gesamten Bruttoinlandsprodukt Frankreichs (85 Mrd. Euro). Laut einer von Atout France herausgegebenen Umfrage ist Frankreich in Ländern wie Indien, China und Russland immer in den Top 3 der beliebtesten Reisedestinationen für Luxusartikel.“ Oliver Timmermann, Atout France, die Französische Zentrale für Tourismus

Deutsch-französische Illustratorin gegen den Hass

Kera Till rief auf Instagram kurz vor der Wahl mit einer Trikolore aus Herzen dazu auf, „gegen den Hass“ zu stimmen. Die Münchnerin mit französischen Wurzeln arbeitet als Mode-Illustratorin hauptsächlich für französische Kunden. Luxus-Marken wie Chanel, Hermès oder Ligne St. Barth schätzen ihre spielerischen, leichtgängigen und humorvollen Zeichnungen.

„Solange ich mich erinnern kann, gab es keine Grenzen zwischen meinen Heimatländern Frankreich und Deutschland. Ich konnte mich so frei bewegen und Inspiration auf dem ganzen Kontinent finden. Deswegen fühle ich mich als Europäerin und bin erleichtert, dass Macron gewonnen hat.“ Kera Till, Illustratorin

Nach der Wahl feierte Till mit einem Eiffelturm und dem Hashtag #VivelaFrance. Das Motiv hatte sie ursprünglich für Ihren Kunden Ladurée geschaffen. Das für seine luxuriösen Macarons bekannte Maison Ladurée erfährt derzeit eher zufällig erhöhte Aufmerksamkeit. Der Name des Gebäcks wird wahlweise mit dem Namen des französischen Präsidenten verwechselt oder als Eselsbrücke herangezogen.

#VivelaFrance 🇫🇷 #libertéégalitéfraternité (Tour Eiffel illustration from the archives for #Ladurée)

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Optimismus bei der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer

Jörn Bousselmi, Geschäftsführer der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer (AHK), erwartet vom neuen Amtsinhaber Impulse, die sich positiv auf das nachbarschaftliche Verhältnis auswirken:

„Der neue Präsident bekennt sich zu Europa und sieht gerade in der deutsch-französischen Zusammenarbeit ein wesentliches Fundament für ein starkes Europa. Eine sich allgemein erholende französische Wirtschaft wird den französischen Markt auch weiterhin für deutsche Unternehmen attraktiv halten. Die sich durch die Digitalisierung schnell verändernden Märkte bieten neue Geschäftsmöglichkeiten und branchenübergreifend interessantes Potenzial für deutsche Unternehmen.“ Jörn Bousselmi, AHK Frankreich

Header-Bild: Blick vom Hôtel de Crillon auf Eiffelturm und Grand Palais © Franck Charel, Atout France

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