21.3.2018

Ayurveda de luxe in Sri Lanka

Body Dekoration ist seit jeher Luxus. Doch Luxuskenner wollen heute mehr. Sie investieren dabei in ihre Gesundheit und fokussieren die Exkursion ins Selbst. Das Geschäft mit der alten indischen Volksmedizin Ayurveda boomt vor allem auf Sri Lanka. 2017 kamen 150.000 deutsche Urlauber auf die Insel, zehntausende in luxuriöse Resorts, um sie gesünder zu verlassen.

Die Yogastunde auf dem Dach des UTMT Hotels beginnt um 6.30 Uhr. Der Himmel färbt sich gerade vom tonlosen Grau in ein frisches Blau. Die Sonne steigt auf und schon wird es heiß auf der Matte. „Good for your muscle stretch, yogis!“ Geda bringt durch sanfte Berührung Arme, Beine, Hüften in die für die Asanas richtige Form. „Inhale, exhale, Yogis! Physical exercise and meditation are the avenues to bring you in touch with your inner ocean of light.“ Mit diesen simplen Worten fixiert Geda das Ziel, von dem man weiß, dass man es anstrebt, gerade wenn man sich einer Ayurveda Kur unterzieht. Zusätzlich zu allen Behandlungen wird Yoga praktiziert, um beim Meditieren den flatternden Geist zu beruhigen.

Ayurveda ist Luxus für das Ich

Übersetzt man das Wort „Ayurveda“, bedeutet es soviel wie „das Wissen vom Leben“. Gemeint ist damit ein Leben in physischer wie psychischer Gesundheit, angestrebt wird die Balance von Körper, Seele und Geist. Ayurveda ist weit mehr als Wohlfühl-Chichi für gestresste Mitteleuropäer, und seit Hollywood mit Jennifer Aniston, Gwyneth Paltrow und Julia Roberts den Trend entdeckt hat, auch für gestresste Nordamerikaner. Ayurveda ist in erster Linie Heilkunde, die neben der Behandlung von Krankheit vor allem die Vermeidung von Krankheit sieht. Durch Entgiftung, Entschlackung und Vitalisierung des gesamten Systems. Was daran Luxus ist? Sich die Zeit zu schenken, um sich etwas tiefgreifend Gutes zu tun, als wäre man selbst die exklusivste Sache der Welt.

Underneath the Mango Tree (UTMT)

Entgiftung für gute Energien

Am Anfang jeder Behandlung steht das Gespräch mit einem Ayurveda-Arzt und die speziell ayurvedische Anamnese durch Puls- und Zungendiagnositk. Dann folgt die Einordnung in die sogenannten „Doshas“, die Probleme im individuellen System verursachen können, wenn sie nicht in Balance sind. Die drei Doshas – vatta, pitta, kapha- verleihen dem Menschen seine individuelle Konstitution, und sie regulieren seine körperliche und geistige Funktion und Ausdrucksform. Jeder Mensch wird danach mit einer ihm eigenen Konstitution (Prakriti), das heißt, einer nur ihm eigenen Mischung der drei Doshas, geboren. Im Ayurveda gilt es, diese Energien auszugleichen. Der Ayurveda-Arzt schlägt dafür einen individuellen Heilplan vor. Je nach Krankheitsbild kann dieser beispielsweise auch in einer Panchakarma-Entgiftungskur münden, für die mindestens 12 Tage einzuplanen sind. Das Angebot ist besonders auf Sri Lanka vielfältig von 60 bis 1000 Euro pro Tag. Man kann seine Kur in spartanisch eingerichteten Hotels absolvieren, auf puren Luxus setzen oder sich auf das lifestylige, coole Konzepte einlassen, wie im „Underneath the Mango Tree“, von Kennern kurz UTMT genannt. Das österreichische Ehepaar Dr. Petra und Robert Hollmann hat es vor vier Jahren in Anlehnung an den Stil von Geoffrey Barber erdacht und erbaut. Vierzig Angestellte in Hotel und Spa sorgen täglich für das Wohl der maximal vierzig Gäste, die auf nur acht Bungalows verteilt wohnen.

Treatments für leuchtende Augen im UTMT

Dr. Niroshana Ekanayake ist die sanfte Autorität im Spa-Bereich des UTMT, wo Massagen, Bäder und der berühmte Shirodaya-Kopfguss mit feinsten, naturbelassenen Ölen durchgeführt werden. Das alles geschieht nicht hopplahopp, sondern folgt einer individuellen Dramaturgie, so dass Körper, Geist und Seele zwischen den Treatments ausreichend Ruhe haben, wieder zusammenzufinden. Alkohol, Schwarztee, Kaffee, weißer Zucker, Weizenmehl, Fleisch, Butter, Nikotin sind bei der Panchakarma-Kur absolut tabu. Und auch das Smartphone sollte sich im Offline-Modus befinden. Das alles mag heavy user abschrecken – und ja, es führt zu Irritationen im Körper, besonders am Entgiftungstag. Wer sich aber darauf einlässt und sich eine Ayurveda-Diät gönnt mit leckeren Smoothies, top-gesunden Veggie-Currys, und wer heißes Wasser, statt Wein zum Essen trinkt, der spürt: die Bauchdecke entspannt sich, der Atem fließt wie ein sanfter Strom durch den Körper und die Wahrnehmung für den eigenen Zustand wird Tag für Tag optimiert. Ayurveda berührt, geht tief und ist ehrlich. Man kommt nicht umhin, sich selbst zu begegnen.

Alle Gäste hier im UTMT wissen das und üben sich daher in freundlicher Zurückhaltung. Die meisten tragen den rot-gelb-violett gestreiften Kimono, keine Uhren, keinen Schmuck, Schlabberbeutel statt Markentasche. Und jeder lauscht in sich hinein. Am Ende einer Panchakarma-Kur beginnen selbst die Augäpfel zu leuchten wie blank polierte Kiesel. Die Haut schimmert rosig und zuhause werden sie sagen: „Du siehst blendend aus!“ Das ist der Moment, um dankbar wissend in sich hineinzulächeln.

Autorin: Petra-Anna Herhoffer

Fotos: istock