19.06.2017

Cécile Wickmann von REBELLE: „Vintage-Mode ist wertvoller als das teuerste, neueste Designerstück“

Fiona Brutscher schreibt als Redakteurin über Reise, Mode, Design und Kultur. Für sie ist wahrer Luxus immer auch nachhaltig.

Cécile Wickmann, Gründerin und CEO der Vintage-Mode-Plattform REBELLE
Cécile Wickmann, Gründerin und CEO der Vintage-Mode-Plattform REBELLE

Cécile Wickmann gehört nach eigener Aussage „vom Jahrgang eher zu den Millennials“, will aber nicht so recht eine von ihnen sein. Sie sagt: „Ich selbst habe kein starkes Gefühl, einer konkreten Generation anzugehören, und lebe wohl etwas zwischen beiden Welten.“

Eins hat sie mit Luxus-Konsumenten und Mode-Fans ihrer Generation gemeinsam. Sie liebt Designer-Mode, legt Wert auf Qualität, Marken und It-Pieces, investiert aber lieber in Vintage-Klassiker als in die aktuellen Kollektionen: „Für mich persönlich ist ein Vintage-Stück mit einer spannenden Geschichte wesentlich wertvoller als das teuerste, neueste Designerstück. Und mit dieser Wertevorstellung bin ich nicht allein. Gerade die jüngere Zielgruppe hat ein klares Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Individualität. Sie wünschen sich einzigartige Produkte, die außer ihnen keiner besitzt und die ihre Persönlichkeit unterstreichen.“

Vintage-Mode: persönliche Präferenz und profitable Geschäftsidee von Cécile Wickmann

Vintage-Mode bei REBELLE: Chanel-Handtasche secondhand
Vintage-Mode bei REBELLE: Chanel-Handtasche secondhand

Cécile Wickmann beschreibt damit nicht nur ihre persönlichen Shopping-Präferenzen, sondern auch die Grundlage ihres Geschäftsmodells. Als Gründerin und CEO von REBELLE, einer Online-Plattform für Designer-Secondhandmode, hat sie den Trend zu Vintage Fashion rechtzeitig erkannt. Der Shop bedient die wachsende Nachfrage nach hochwertiger, authentischer Mode aus zweiter Hand und versendet inzwischen überall in Europa – nicht nur an Millennials und Gen Z.

Trendige Vintage-Mode für junge Kundinnen, Klassiker für ältere

Die typische Rebelle-Kundin gibt es laut Cécile Wickmann ohnehin nicht: „Wir haben Fans von 18 bis 70 Jahren.“ Trotzdem gibt es altersspezifisches Kaufverhalten: „Die jüngere Generation setzt sehr viel stärker auf aktuelle Trends und spezielle Klassiker. Die ältere Generation hingegen ist oft stark auf alteingesessene Marken und qualitativ hochwertige Produkte konzentriert. Im deutschen Markt können wir beobachten, dass sich die ältere Generation noch sehr viel mehr zu deutschen Marken wie Boss, Strenesse und Marc Cain hingezogen fühlt.“

Junge Ansprache für Vintage-Mode-Kundinnen

Vintage-Mode bei REBELLE: Luis-Vuitton-Koffer secondhand
Vintage-Mode bei REBELLE: Luis-Vuitton-Koffer secondhand

Auch wenn sich REBELLE nicht nur an junge Kundinnen richtet, ist die Ansprache eher auf Millennials, Gen Z und Junggebliebene gemünzt als auf traditionelle Luxus-Kundschaft: „In der Kommunikation haben wir uns anfangs viele Gedanken gemacht, wie wir unsere Zielgruppe ansprechen. Wir haben uns bewusst für eine jüngere und sehr persönliche Ansprache entschieden – sehr entgegen der typischen Kommunikation eines klassischen Luxus-Unternehmens. So haben wir unsere Kundin von Anfang an nicht nur mit Vornamen angesprochen, sondern auch geduzt.“

Storytelling mit den Geschichten hinter Vintage-Mode

Vintage-Mode bei REBELLE: Secondhand-Accessoires
Vintage-Mode bei REBELLE: Secondhand-Accessoires

Gerade angesichts der Relevanz von Storytelling in der Online-Kommunikation bieten die Geschichten hinter Vintage-Mode einen unschätzbaren Mehrwert: „Wir erzählen die spannenden Storys hinter bestimmten Marken, besonderen Modellen und versuchen, unseren Kundinnen einen persönlichen Mehrwert zum Kauferlebnis zu bieten. Wenn Kundinnen Artikel direkt bei Rebelle einstellen, geben sie oft ein paar persönliche Geschichten aus der gemeinsamen Vergangenheit preis.“

Davon profitiert nicht nur eine Plattform wie REBELLE, sondern auch die dort präsentierten Modehäuser: „Wenn beispielsweise Saint Laurent oder Céline neue, erfolgreiche Kollektionen launchen, werden auch Vintage-Stücke wieder stärker nachgefragt. Gucci ist seit ca. einem Jahr wieder sehr angesagt und wird viel von Influencern getragen. Seitdem steigen die Verkäufe und selbst ältere Modelle werden für einen guten Preis wiederverkauft. Ein anderes Beispiel ist MCM. Die Marke hatte lange Zeit ein etwas verstaubtes Image und wird bei uns seit dem Relaunch wieder sehr gut verkauft. Auch ein Designer-Wechsel kann der Ausschlag für einen Markenhype sein und die Begehrlichkeit und den Wert von bestimmten Produkten in die Höhe treiben.“


Eine der Thesen zur Luxury Business Day Studie lautet:
„Während die Generation X Luxus über Attribute wie Preis und Prestige definiert, ist Premium der neue Luxus von Millennials und Gen Z. Sie greifen lieber zu Vintage-Stücken bei Mode und Accessoires. Erst die Spuren des Lebens machen das Luxusstück zum Unikat und beugen der peinlichen Offenbarung vor, label victim zu sein.“

Cécile Wickmann bestätigt diese These beim Luxury Business Day mit Ihrem Vortrag zum Thema „Vintage Luxus cool vermarktet“.

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